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Die Götterlegenden
Rorquals

  1. Das Paradox
    - Morlok
    - Nera
    - L'Arin und Zathuur
    - Dante
    Kalimars Schlußworte
  2. Shirasei
  3. Die Crai
  4. Die Jüngeren
  5. Dantes Muttermord
  6. Die Städte der Echan Lawantyar
  7. Die Legende des Verderbten
  8. Hovecan
  9. Ascan, der Wilde
  10. Malech und der Untergang Imperials
  11. Ahz'Gor
  12. Der Betrogene
  13. Anwaestel
  14. Das Valeron-Epos
  15. Vom Tod des Morlok
  16. Zions Brand
  17. Die Rösser der Apokalypse
  18. Die Legende von Kedmin Drachenschinder

Zusammengetragen von ZUUL Maximus



DAS PARADOX

"Und in des Meisters Werk sollst du seinen Lehrer erkennen."

Ein Wesen ist da, ein Paradoxon,
ein Ewiger irdischen Leibes,
ein zum Sterben geborener Gott,
ein zeitloses Echo seiner Selbst.

Einer, der existierte, noch vor allem anderen,
einer, der erschaffen konnte, in Licht wie in Dunkelheit,
einer, der dennoch nicht vom Wesen des Chaos ist:

Morhlokëion, der Schöpfer,
der Morlok und Demiurgon.

So höret mich, die Hexe Kalimar, vergessende Sterbliche,
wie ich von Ihm berichte, Zeitalter um Zeitalter,
seit Er mich errettete aus einer sterbenden Welt,
und vernehmt die Geschichte meines Herrn und Gottes!

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MORLOK

Am Anfang war der Demiurgon. Er allein war die Inspiration, der Gedanke und die Tat. Nur in Ihm existierte der Keim der Beständigkeit, der vermochte aus dem gestaltlosen Ozean des Möglichen, einer Wirklichkeit Substanz zu verleihen. Nur in Ihm glomm der Funke des Untergangs, das Bekannte und das Gefestigte niederzubrennen, um einem Neuen, Anderen Platz zu schaffen.

Allein weil Er es vermochte, erhob der Demiurgon Seine Stimme und die Sphären erzitterten vom Hall Seiner Worte: "ES SEI!" Und wie Er sprach, da ward es. Aus der Allmacht Seines Geistes heraus erschuf und vernichtete der Demiurgon eine Welt neben der anderen. Zahllos wie die Sterne am Himmel waren Seine Werke - jedes ohne Gleich dem anderen, unterschiedlich einander wie Schneeflocken. Vergeblich muss der Versuch bleiben, die Schöpfergewalt meines Herrn mit Wort und Schrift einzufangen, sind es doch nur Abbilder sterblichen Denkens. So seien Euch jene Teile der Geschichte meines Gottes gegeben, die Euch Sterblichen Rorquals die wichtigsten sein dürften.

Ohne Gleich schien die Macht meines Herrn, aber doch musste der Demiurgon erkennen, ohne Grenzen war sie nicht. Mag es sein, dass meines Herren Worte die Grenzen der Sphären zu etwas erschütterten, dass nie Teil der Existenz hätte werden dürfen. Mag es sein, dass das Chaos von Beginn an ein Gegensatz zum Demiurgon war. Niemand ausser dem Demiurgon mag wissen, wann und woher das Chaos kam - Unfassbar und ohne Antlitz oder echte Substanz.

Machtvoll und zerstörerisch an jeder Form des Seins war dieses Chaos, als es dem Demiurgon offenbar wurde. Wie eine Motte vom Licht angezogen wird, so drängte es auf des Demiurgons Werke ein. Aufgestaut an den Grenzen der Welten tobte und dräute es, die Dämme und Gesetze niederzureissen, nach denen die Welten existierten. Wieder und wieder musste der Demiurgon erleben, wie Seine Werke zerissen wurden und im Chaos aufgingen, verloren jede Idee, die Er darin formulierte, in der Unfaßbarkeit.

So hielt denn der Demiurgon inne in Seinem bisherigen Werk, ging hin und versuchte dem Chaos selbst Substanz zu geben, auf dass es fassbar werde. Das Chaos aber war mächtig und selbst die Kraft Morloks vermochte nicht, es gänzlich zu beherrschen. Doch wo des Schöpfers Funke das Chaos traf, da wurde ihm ein Antlitz gegeben.

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NERA

So erwachte durch des Demiurgons Wirken aus der Nichtgestalt des Chaos und war dennoch nicht des Morloks Schöpfung: Nera. Und wie ein geworfener Stein Wellen im Wasser schlägt, hatte das Werk Morloks Wellen im Chaotischen geschlagen und aus dem Schatten der Werdung Neras entstiegen den formlosen Fluten die Titanen. Sie wurden zum Geschenk Morloks an Nera und wie sich die beiden Eternenen ansahen und Ihre Einzigartigkeit erkannten, da wussten Sie, dass Sie zu Gefährten bestimmt waren.

Der Demiurgon betrachtete die Welten, die dem Chaos bisher zu widerstehen vermocht hatten und versuchte zu ergründen, was diese Welten von denen unterschied, die Er an das Chaos verloren hatte. Mit Nera als Gegenüber sah der Morlok plötzlich Neues. Er blickte in die Augen der Unsterblichen und wie Er sich selbst sah darin, gespiegelt in einem brodelnden Chaosmeer, da schaute Er zum ersten Male das Angesicht Seiner eigenen Seele, erkannte die ewig widerstreitenden Prinzipien von Licht und Finsternis.

So erkannte der Demiurgon: Das Geheimnis Seiner beständigen Schöpfungen war, dass sie sich geordnet hatten: Licht und Finsternis getrennt, hatten dem Chaos zu widerstehen vermocht. Morlok spürte die Kräfte beider Prinzipien in sich miteinander ringen, in Ihm waren sie vereint, Teil der unvorstellbaren Größe Seines Wesens. In den Welten jedoch, wo Licht und Finsternis sich nicht getrennt hatten, um einzeln, für sich, Teil eines lebendigen, widerstreitenden Werkes zu werden, war des Schöpfers Funke im Ansturm des Chaos erloschen und verloren. Nera stand hinter dem nachdenklichen Demiurgon und erinnerte sich mit einem heimlichen Lächeln all jener Welten, die versunken im formlosen Nichts.

Geblieben waren nur die geordneten Welten, und eine Vielfalt boten sie, wie sie nicht in Gänze zu beschreiben in der Zeit, die Sterblichen zugedacht ist. Da waren jene, gehüllt in tiefstes Schwarz, finster bis ins Mark der verottenden Knochen ihrer Ursubstanz. Welten in denen die Finsternis scheinbar über das Licht obsiegt hatte. Da waren andere, die im Triumpf des Lichts über die Finsternis erstrahlten, wo die Kräfte des Lichts scheinbar die Mächte der Dunkelheit gebannt und auf immer zerschlagen hatten. Und da waren solche, auf denen der Widerstreit erst noch zu entbrennen drohte oder noch unentschieden tobte.

Beide beobachteten gespannt das Schicksal dieser Schöpfungen, Äon um Äon. Doch wie Sie so standen und auf den Tanz der Welten schauten, da suchten den Morlok allmählich furchtbare Visionen heim, brandeten über Ihn wie die Wellen eines drohenden Unheils: Er sah Seine Gefährtin Nera erschlagen in Ihrem Blute liegen und Furcht ergriff Ihn um die, die Seine Einsamkeit geendet hatte. Nera jedoch wußte nicht um die inneren Schrecken des Morlok. Sie wollte, über die Äonen müßig des Wartens, inspiriert durch das Wesen des Schöpfers, zusammen mit Ihm ein Kind zeugen - die allumfassende, alles vereinende Gottheit. Die Visionen vom Tod Neras vor Augen schrak der Demiurgon jedoch zurück. Er wähnte ihren Tod im Kindbett und verweigerte Nera ihren Wunsch.

Nera jedoch, unfähig die Visionen des Demiurgon zu teilen, ward auf das Tiefste gedemütigt und liess nicht ab. In Ihr tobte eine lange schlummernde Macht, eine Kraft die nicht vom Morlok geschaffen war und die sich durch Ihn keine Grenzen auferlegen lassen wollte. Sie bestürmte Ihn, begrängte Ihn und wollte nicht weichen von Ihrem Ziel. So sah sich der Demiurgon nunmehr Nera im Zorne erschlagen und dieser Art schuldig werden an Ihrem Tode. Verzweifelt beschloss Er, diesem Schicksal zu entfliehen, indem Er der Undeutbaren und Unbeherrschbaren mit dem entgegentrat, was Er als trotzend dem Chaos erkannt hatte. Aus sich selbst gab der Demiurgon dem Licht und der Finsternis ein Antlitz, ging in diesem, Seinem grössten und wundersamsten Schöpfungsakt auf und entschwand darin.

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L'ARIN UND ZATHUUR

Sie, die sich Namen gaben, unermeßlich wie die Größe ihres Wesens, welche heute L'Arin und Zathuur geheißen werden, sollten die beiden grossen Alten des Lichts und der Finsternis sein. Und wiewohl der Demiurgon mit Seiner Macht zwei neue Götter erschuf, sollte sich erweisen, dass die beiden - erfüllt von reinstem Licht und absoluter Finsternis - an Macht nicht unter Ihrem Schöpfer standen. Nera, die Ihren Gefährten misste, hiess die beiden als des Demiurgons Erben willkommen. Erahnte Sie in L'Arin und Zathuur doch den Demiurgon, ohne Ihn jedoch jemals zur Gänze zu erblicken. Stets sah Sie in Ihnen nur eine Seite Seines Selbst, getrennt und ohne das Wissen um beiderlei.

Zu dritt waren nun die Alten Götter, gingen gemeinsam hin und erschufen im Zentrum aller Magie, wo der Morlok Sie verlassen hatte, zum Angedenken die Welt Rorqual. In einem Akt lichter, wie dunkler Schöpfungskraft, gestärkt durch des Chaos unglaubliche Macht, entstand so die Erste Schöpfung L'Arins und Zathuurs. Und wie in des Meisters Werk ein Echo von des Meisters Lehrer gefangen bleibt, so sollte sich in Rorqual das Echo der Existenz des Demiurgon fangen.

Durch des Schicksals Fügung, wenn das Geflecht der Welten selbst erbebt in seinen Grundfesten, sollte dieser Nachhall erstarken und sich manifestieren, um den Morlok wiederzugebären - mal ohnmächtig, mal voller entsetzlicher Macht - aber immer nur in der kläglichen Hülle sterblichen Fleisches gefangen. So kehrt der Morlok stets zurück, immer in vollem Bewusstsein jenes vollbringen zu müssen, was getan werden muss und dabei erneut aufzugehen in Seinem Werk. Äon um Äon ruft Er auch mich nun stets aufs Neue aus meiner Einsamkeit zurück in Seinen Dienst.

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DANTUR

L'Arin und Zathuur vermochten Nera den Verlust Ihres Gefährten nicht zu ersetzen, und sprachen Ihr, dass unmöglich war, was Sie begehrte. Unmögliches kannte Nera jedoch nicht, die den Demiurgon alles und jedes hatte erbauen und zerschlagen sehen. Noch immer träumte die Undeutbare Göttin Ihren Traum von der alles vereinenden Gottheit. Und während L'Arin und Zathuur Rorqual unter dem Schutz der Jüngeren zurückliessen, die Welt Shirasei zu erschaffen, entschied Nera letztlich sich selbst einen Sohn zu gebären.

In Neras Wesen aber glomm kein Funke schöpferischer Kraft. Das Chaos ist und verschlingt, doch erschafft es nicht. Ohne die beiden anderen Alten, die Sie hätten hindern können, wider die Pflicht der mit der Bewahrung Rorquals beauftragten Jüngeren, stieg Nera, von Ihrer Sehnsucht getrieben, herab nach Rorqual, um von der Quelle der Magie zu trinken. Allein um einen winzigen Bruchteil der in Rorqual gewirkten Schöpfungskraft zu erlangen, brachte Nera den sprudelnden Überfluss der Quelle der Magie nahezu zum Versiegen.

So beraubte die Urmutter des Chaostischen Rorqual eines Teils der eingeflossenen, schöpferischen Kraft, etwas über das sie selbst nicht verfügte, und verwandte diese, sich ihren Sohn zu erschaffen: Dantur.

Außer sich waren die Alten, zürnend die Jüngeren, denn entweiht war nun das Werk, welches an den Demiurgon gemahnen sollte. Die Sphären erbebten in Ihrer Wut und selbst der Morlok sollte, als er über die Zeitalter wieder und wieder Leib und Lebensspanne erhielt, der Chaosseeligen dies nimmer verzeihen. Allein Dantur lächelte friedvoll ob all der Wut und sah hinauf zu Seiner Mutter. Und wie sich Nera beschützend zu Ihrem Kindlein herabbeugte, da stiess Er Ihr die Hand durch den Leib, badete sich in den Wogen Ihres ersterbend göttlichen Wesens und erwuchs daran.

Des Schöpfer Vision ward letztlich erfüllt,
weil Er tat, wie Er getan hatte, weil es kam, wie es kommen musste.

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So sehet, Sterbliche, Morlok ist das Paradox,
der in irdischer Hülle wiedergeborene Gott,
der Demiurgon, der Licht und Finsternis zugleich ist,
ohne sie zu Formlosigkeit vereinen und daran zu vergehen.

Ihn zu betrachten, heisst für Euch,
Ihn durch das Fenster Eures geengten Verstehens zu sehen!
Unbegreiflich bleibt Sein Wesen Eurem sterblichen Glauben.

Ihm zu folgen, heisst für Euch,
Ihn durch eines und nur eines Seiner Kinder zu verehren!
Unerwählbar bleibt Sein Wirken Eurem sterblichen Glauben.

Ihr schuldet Ihm Respekt, dem Schöpfer an allem, das ist!
Ihr werdet Ihn sehen als Vater und Henker, Bewahrer und Entleiber.
Ihr seid, weil Er nicht ist, und werdet dies niemals ganz verstehen.

Die Hexe Kalimar (1013)

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SHIRASEI

Zathuur und L'Arin hatten Rorqual verlassen und inmitten der Leere erschufen sie gemeinsam eine weitere Welt aus dem Chaos - und sie gaben einer neuen Kreatur Leben, die die neue Welt bevölkern sollte - dem Menschen. Die Menschen nannten diese, ihre Welt SHIRASEI, und wie es ihrer Natur entsprach, begannen sie grosse Reiche zu errichten, welche friedlich nebeneinander existierten. Zathuur und L'Arin erfreuten sich der Huldigung der Sterblichen und der von ihnen errichteten Tempel und sie gaben den Menschen die Kraft, ihr sterblich Leben zu meistern. 

Doch es geschah, das Zathuur und L'Arin in eifersüchtiger Weise auf die Anbeter des anderen schauten und bald kam es offenem Zwist unter den beiden ALTEN

Zathuur gab dem Dämonenlord Gwynion die CRAI, mächtige magische Wesenheiten voller Bosheit und Übel und er gab ihm die Herrschaft über die Toten, auf das er SHIRASEI reinigen solle von der Krankheit des Lichts. Zathuur schuf alsdann aus dem Gebein der Dunkelheit selbst die Standarte der Finsternis, mit ihr sollte Gwynion L'Arin erschlagen. 

L'Arin indes gab Johannes, dem Wegbereiter, den Befehl über die Hüter des Lichts, mancherorts auch die Pilger des Lichts genannt, und er gab ihm die Geisterschiffe der Zwischenwelt. Am Ende schmiedete L'Arin das heilge Schwert "L'Arins Donner" und er härtete es mit dem Blute seines eignen göttlichen Leibes. Johannes sollte Zathuur selbst mit der heilgen Klinge niederstrecken, und so die Welt vom Übel befreien. 

Und so kam es zum blutgen Krieg. Die Herrscher der Reiche Shiraseis entsandten grosse Armeen gegeneinander, Paladine stritten gegen dämonisierte Krieger, Hüter des Lichts gegen lebende Tote. Alsbald zeigten sich auch die ALTEN selbst über dem Schlachtfeld und der Tod hielt noch zahlreichere Ernte. 

Doch dann kam der Tag, da L'Arin über den Trümmern eines vergehenden Reiches auf die mächtigste aller CRAI traf, und es dieser gelang, den Gott mit einem schierem Glück entspringenden Streich zu fällen. Die Himmel verdunkelten sich, als L'Arin mit letzter Kraft von Shirasei entfloh, verfolgt von Zathuur entschwand er in der grossen Leere. 

Der Dämonenlord Gwynion triumphierte, nichts sollte nun die Vernichtung des Erzfeindes Johannes verhindern können und so setzte er die Legionen der Finsternis ein weiteres Mal in Bewegung, um ganz Shirasei zu erobern. 

Unweit dem Orte, wo L'Arin gefallen, kam es denn zu einer gewaltgen Schlacht. Riesige Heere standen einander gegenüber, zu kämpfen den letzten Kampf. Schwarze, böse Magie prallte auf die Künste der Lichtmagie. Pilger des Lichts, Ordensritter, Dämonenkrieger und lebende Tote teilten dasselbe Schicksal - sie fielen zu Zehntausenden.

Johannes aber und sechs seiner besten Magier trafen auf Gwynion und  vier der mächtigen Crai. Der Kampf dauerte lang, doch am Abend des fünften Tages schleuderte Johannes den Dämon mit Hilfe von "L'Arins Donner" zurück in die Leere - die Schlacht war entschieden.

Einen Monat später verschwand der Wegbereiter von Shirasei, zu suchen seines Meisters Verbleib und zu rächen seine Niederlage. 

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DIE CRAI
Gestaltgeworden Finsternis

Die Crai sind Geschöpfe von schrecklicher Schönheit und erbarmungslosem Glanz. Es sind Kreaturen des Dunklen Alten, die mit ihren zwanzig Mannlängen reichend Schwingen seit Anbeginn der Zeiten immer wieder majestätisch schwebend auszogen, die Herzen aller jener die guten Glaubens sind zu verderben.

Insekten feingesponnen Drachenschwingen, sich mal in finsterster Schwärze, mal mit ihren zarten Regenbogentönen in die Seelen zu fressen.

Ein Blick und

Gutes wird zu Bösen
weiß wird zu schwarz
Mensch wird zu Alptraum
Tier wird zu Mensch...

Ein zehn Mannlängen reichend durchscheinend, schmaler Leib mit einem ebenso langem Schweife. Mondensilbriges, kaltes Licht mal hier, mal dort, bereit zuzustoßen, zu blenden all jene, die ihren Blick nicht abwenden können von diesem gestaltgeworden lebend oder vielleicht auch totem Wunder. Tödlich, leise wandernd ein schwacher Reflex über die Reißzähne wie auf der Klinge Deines Henkers.

Der Kopf - eben noch hinreißend jungfern - dann wieder Adler, bereit die Opfer zu reißen.
Sphinxenen Ausdrucks - wer weiß? - mit Augen, wie ein schwarze Flammenmeere.

Ein leises Singen und Sirren liegt in goldener Luft.

Öffne Deinen Geist ihrer unendlich finstren Freude und spüre, wie ihr furchtbarer Gesang Deine Träume vernichtet.

Eure Phantasie verendet,
Alles Lebende zerstört,
Eures Heiligstes geschändet
Allein ZATHUUR wird verehrt...

Ihr allesverzehreder Haß schnürt Deine Seele in eisigem Griff,
existiertest Du immer nur in Deinen Träumen?

Entstammend der Feder von Gwynions Leibsklaven Kartuur zu Shirasei
verfaßt im Jahre 60 vor der Wiedererstehung Imperials.


Wiederentdeckt von Zuul Maximus

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DIE JÜNGEREN

Atara - Einstmals die Herrin der Ordnung, nun jedoch Herrin des wutbrennend Feuers und der Rache. Atara ist nach Athos die Streitbarste der jüngeren Götter. Ihre zahlreichen Orden ziehen den rechtschaffenden Zorn der Vergeltung dem frommen Gebet vor. 
Position: Wechselhaft

Athos - ist der Gott der Helden, Herr von Blitz und Donner. Athos wird von jedermann geehrt, der Ehre auf dem Schlachtfeld sucht. Einige der berühmtesten Helden der alten Zeit behaupten, Athos sei mitten in der Schlacht in sie gefahren, um ihr Schwert zu lenken. 
Position: Wechselhaft

Demnogonis - der Herr von Fäulnis und Pest. Rotes Fieber, Pest oder gar die Fäulnis selbst sind nicht fern, wenn Demnogonis wandelt. Die Sendboten der Hölle, Teufel und Dämonen, bilden sein Schreckensheer.
Position: Gott der Finsternis

Ilian - ist die Göttin der Leere und Herrin der schwarzen Mönche, der Nekromori. Niemand beherrscht wie sie die Kunst der Dimensionswanderung, sieht man von Dante ab. Sie ist die geheimnisvollste der jüngeren Götter der Finsternis und ist in steter Fehde mit Merl begriffen.
Position: Göttin der Finsternis

Jawas - er erscheint dem Sehenden als harmloser und blinder, alter Mann. Und doch ist er auch als Kriegsherr der jüngeren Götter der Dunkelheit bekannt, seine dunklen Kulte die Anti-These zu Ataras heiligen Orden, seine fanatischen Legionen ruhelos auf dem Marsch gegen Ataras Heere der Ordnung. 
Position: Gott der Finsternis

Lejla - Herrin des Wetters und der See, der Reisen und der Drachen. Lejlas gute oder böse Wünsche bestimmen über den Verlauf jeder Reise, ob sie nun durch den Wald in den Nachbarort führt oder aber durch Weltenrisse in übernatürliche Sphären. Es ist üblich, der Göttin des Weges in einem ihrer vielen Tempel vor Antritt einer größeren Reise etwas zu opfern, um Glück auf seinen Wegen zu haben. 
Position: Wechselhaft

Lithe - Göttin von Jagd und Winter. Litha ist die Göttin des ewigen Eises und soll der Legende nach tief unter diesem an den Wurzeln eines uralten Baumes geboren worden sein. Sie ist auch die Schutzherrin jedweder Jagd und man spricht, manche Assassinenkulte verehren Lithe. Alte Legenden besagen, Lithe oder auch Litha sei in Wahrheit kein Kind der Alten, sondern Merls Tochter.
Position: Wechselhaft

Merl - Merl ist nicht nur der Herr des Waldes, sondern auch der Schutzherr der geistigen Künste, seien es nun übernatürliche oder weltliche. Er beschenkt den Gläubigen zuweilen mit geistigen Gaben, so ihm danach ist. Merl ist auch dafür bekannt, daß er sich gern unerkannt unter das einfache Volk mischt und insbesondere Bier, Wein und Reas Töchter schätzt.
Position: Gott des Lichts

Rea - Liebe, Fruchtbarkeit und Ränke. Die eifersüchtige Göttin gilt als Inbegriff der Weiblichkeit und fraulicher Schönheit, andernortens als Schutzherrin der Bauern. Rea steht jedoch ebenso für die nur von Frauen beherrschte Ränkekunst aus Gefühl und Intrige. 
Position: Göttin des Lichts

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DANTES MUTTERMORD

So geschah es, daß sich die Jüngeren während des Krieges der Alten um Shirasei in drei Gruppen schieden: Die Götter des Lichts, die Götter der Finsternis, die Götter der Uneinigkeit und Nera, die Mutter des Chaos. 

Trotz des Zwistes von Zathuur und L´Arin lebten sie in Einklang und es war gut. 

Aber Nera, die Mutter des Chaos, gebar einen weiteren Sohn und sie nannte ihn DANTE. Doch Dantes Hunger nach Macht war grenzenlos und alle anderen Jüngeren fürchteten ihn alsbald. 

Und es kam der Tag, da Dante Neras Macht darselbst begehrte und so erschlug er seine Mutter und nahm grosse Teile ihrer Kraft als sein eigen. Er sah sodann den Frieden auf Rorqual und unter den anderen Jüngeren und war voll des Abscheus. 

So nahm er eine Kreatur, den Frieden zu verderben und heimlich holte er von Shirasei viele der Rasse der Menschen nach Rorqual, auf das sie Chaos über die Welt bringen sollten. 

Da verbanden die anderen Jüngeren ihre Kraft und schlugen Dante gemeinsam nieder. Und sie schufen NICHTWELT, eine Sphäre göttlicher Kraft inmitten der Leere, machtvoll genug, den Gott des Chaos auf immer gefangenzuhalten. 

Dantes Hinterlist aber hatte Erfolg. Die Menschen Rorquals begannen alsbald die eine oder andere Gottheit zu verehren und mit Nationen, die anderen Glaubens waren, Krieg zu führen. So entstand der Zwist der Jüngeren

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DIE STÄDTE DER ECHAN LAWANTYAR

- Die Legende von Endhuriel -

Und es gab aber eine Zeit, welche man heute noch das Äon der jungen Götter nennt, denn gerade erst entdeckten sie die Schönheiten der Welten, welche für sie bereitet waren. Jeder für sich ersann neue Wunder um seine Geschwister zu beeindrucken. Noch ward nicht genannt der Name des Einen, der geboren werden sollte, seine Mutter zu stürzen, noch ihr Weltensiegel nicht gewoben, den Vorhang zu schließen, welcher all jene wundersamen Orte zu trennen vermochte.

Die Göttlichen wandelten über die Welt und formten die Schöpfung wie sie es für richtig hielten, ein jeder nach seinem Wunsch und Gefallen. Jene, welche zu ihnen aufsahen, waren die Sterblichen, und noch waren es wenige ihrer Art, doch schon voller Unterschiede. Niemand ahnte, dass eines Tages jene Alten Völker im Streite vergehen sollten und so errichteten sie Siedlungen und Reiche.

Eine Sippe aber sollte bald schon wachsen und gedeihen, zu einem stolzen und hohen Volke reifen. Ihre Heimat hiessen sie Aglarebar, ein flaches und schönes Land voller saftiger Wiesen und taubenetzter Auen. Niemand vermag heute noch zu sagen, wo sich jene Alte Heimat befand, doch an den Stellen, an welchen sie die Wirklichkeit berührte und mit der Welt der roten Wasser verschmolz, wurde sie zu Teilen des grossen Kontinentes Gnor.

Eine Königin hatten sie, eine gütige und gerechte Frau, wohlgeraten und ehrbar in den Augen aller, und sie regierte ihre Sippe in Frieden und Eintracht. Echanadh war ihr Name und ihre Sippe bald als die Echan Lawantyar bekannt. Langlebig waren sie und so wuchs ihre Zahl bis sie eine Stadt gründeten, in ihr zu leben und all die Schönheiten der Welt an einem Orte zu vereinen - Ladean, die Schneeweiße.

In den hohen Künsten waren die Echan Lawantyar bewandert, erschufen Gemälde und Skulpturen unendlicher Schönheit und vermochten es, aus Ton Amphoren und auch farbige Kacheln zu brennen, mit welchen sie ihre Bauten schmückten. Sie formten Kristall und gaben dem Wahrsilber Gestalt in schönstem Geschmeide und ihre Kleider waren aus Seide und feinstem Tuch. Selbst grazile Paläste und Basiliken errichteten sie, Arkaden und Theater, Säulenhallen und geplasterte Foren, auf denen sie regen Handel trieben.

Echanadhs Herrschaft aber währte viele Jahrhunderte und noch immer hatte sie keinen Gemahl erkoren. Da geschah es, dass Merl, der weise Gott der Magie, Ladean bereiste, gehüllt in die einfache Kleidung eines Wanderers, die Wunder der Stadt zu schauen. Vielerlei nahm sein Blick wahr, doch am Ende erblickte er das schönste Wunder von allen. Noch heute berichten Lieder von ihrer beider Begegnung und er schenkte Echanadh zwei Kinder - Aradwhaen, ein Mädchen, und Endhuriel, einen Knaben. Als sie beide aufwuchsen, wurde das Erbe ihres Vaters bald offenbar, denn schon in jungen Jahren zeigte sich ihre Begabung nicht nur für die Magie sondern beide besaßen ebenso die Gabe des Zweiten Gesichts, des Blickes in vieles was war, was ist und auch was noch zu sein vermag. Doch auch die feinen Züge ihrer Mutter hatten sie geerbt, ebenso die Liebe zum Land und zu den hohen Künsten und ihrem Volke. Grazil und anmutig waren beide und immer sah man sie zusammen, nie trennten sich ihre Wege.

So vergingen die Zeitalter, doch den Echan Lawantyar war schon immer ein langes Leben zu eigen, und ihre Zahl wuchs weiter, so dass viele der ihren auswanderten, auch an anderen Orten prächtige Städte zu gründen. Manche waren ebenso wie Ladean errichtet in der Wirklichkeit, andere wandernd zwischen den Schleiern. Noch heute raunt man ihre Namen, obschon manche zerstört und zerfallen, andere verschollen und vergessen: Malville die Gewaltige, Merilecha die Hehre, Esalaith die Wandelnde, Orndhuria die Prächtige, Hoor die Fliegende, Lochalayr die Verschleierte, Thorgardh die Liebliche, Anuhim die Leuchtende, Panayr die Ausgedehnte und Oradyn die Hohe. Untereinander waren jene aber verbunden durch Pfade aus schillernder Magie, und so herrschte ein reger Austausch und Wandel zwischen ihnen. Die Sippe der Echan Lawantyar verbreitete sich so auch über ganz Rorqual und bald nannte man sie überall nur die Alben oder Elben, denn sie waren das schöne Volk.

Äonen verstrichen und L'Arin und Zathuur verliessen Rorqual und erschufen Shirasei. Königin Echanadh aber wurde alt und ihre Zeit neigte sich dem Ende. Ihre beiden Kinder wurden zu einem stolzen Prinzenpaar, ein jeder auf seine Art besonders und doch nicht herrschsüchtig wie so viele der jüngeren Völker, denn sie liebten die ihren mit ganzem Herzen.

Zu jener Zeit aber geschah es, dass Nera das Weltensiegel wob um die Verbindungen zwischen den Welten zu verschliessen. Mit beiläufiger Achtlosigkeit zerschnitt das Weltensiegel die magischen Pfade zwischen den Städten der Echan Lawantyar, war es doch von solcher Art, dass es selbst die Ewigen zu beschränken vermochte in ihrer Macht.

Und so versiegte der Verkehr zwischen den Städten der Echan Lawantyar und Isolation ward vielen beschieden. Die Tore nach Aglarebar blieben verschlossen und eine jede Stadt ward gezwungen, eigene Könige zu bestimmen. Echanadh aber welkte vor Trauer dahin, denn getrennt war ihr Volk nun von ihr, und so starb sie mit dem Wind des Abends. Aradwhaen und Endhuriel studierten die Lehren Merls, doch kein Weg liess sich beschreiten, die alten Pfade wieder zu öffnen. Und ebenso wie sie, versuchten es die Könige der anderen Städte, ein jeder auf seine Weise, vergebens jedoch all ihre Mühen.

Vielerlei Herz wurde verdüstert durch die Einsamkeit und ein Schatten legte sich über die Echan Lawantyar. Mephimkehke aber, die Königin Malvilles, verzweifelte schließlich, denn als eine der Sieben Sphärenwandlerinnen ward es seit Generationen ihre Aufgabe gewesen, die Tore zwischen den Städten aufrecht zu halten. Und so rief sie Mächte an, deren Kraft bisher noch keines Elben Magie geprüft hatte. In den Stunden tiefster Nacht versprach sie der dunklen Schwester Merls die Seele ihres erstgeborenen Sohnes Keret, wenn jene ihr helfe.

Und Ilian half - der Zwist der Jüngeren hatte begonnen.

Ihren Sohn Farlokuur höchstselbst sandte sie, Mephimkehkes Wunsch zu erfüllen, und er sprach zu ihr in dunkler Stunde. Jedem der Echan Lawantyar würde er helfen, neue Wege zu beschreiten, ihnen gar Sphären zeigen, die vorher unbekannt, sie alle wieder vereinen als ein Volk. Doch nicht allein ihres Sohnes Seele sei der Preis sondern all die Träume und Hoffnungen ihres Volkes. Mephimkehke flehte und Tränen rannen ihr über die Wangen, doch Farlokuur nahm sie nicht wahr. Und so ging sie schweren Herzens den Bund ein. Ilian aber nahm ihr den Sohn und verschlang seine Seele, bis jener nur noch leere trockene Hülle war. Doch als der Herrin der Nacht Blick auf Keret fiel, erwachte die Hülle zu gespenstischem Leben und seine nachtschwarzen Augen musterten seine Mutter. Da überkam Wahnsinn Mephimkekhe ob ihrer Tat und sie floh ihres Volkes. Nie wieder ward sie gesehen, ihr Sohn jedoch wurde Keret, der erste Fürst der Nekromori, der Schwarzen Schatten.

Und Farlokuur lehrte die Elben Malvilles die Künste der schwarzen Magie und so ersannen sie andere Pfade zwischen den Welten, Pfade voller Schmerz und Leid, geöffnet mit dem Blute unschuldiger Opfer. Doch sie vergaßen, was es heißt zu träumen, vergaßen ihren Ursprung und letztlich vergaßen sie auch Aglarebar. Der Schatten kam über sie und sie nannten sich fortan nur noch Moreledh. Und sie traten vor Aradwhaen und Endhuriel in Ladean, auch ihnen das Angebot der Herrin der Nacht zu unterbreiten. Tränen waren in den Augen des Prinzenpaares als sie der Gesandschaft angesichtig wurden. Voll Grauen schauten sie die Moreledh und wiesen sie vor die Tore Ladeans. Da jedoch trat, bisher verborgen, zwischen ihnen Keret hervor und sprach: "Ehe zehn mal zehn Jahre vergangen sind, wird das Volk der Echan Lawantyar gefallen und zerstört sein, nur noch Geister die alten Mauern bewohnen. Dies spreche ich, Keret, Fürst der Schwarzen Mönche."

Die Moreledh rüsteten sich zum Kriege und sie belagerten die Städte der Echan Lawantyar. Vergiftet wurden die Flüsse und Brunnen, verbrannt die Felder und jede Nacht sandten Keret und seine Nekromori schwärzeste Träume in die Herzen der Elben. Ihrer schwarzen Magie fiel Panayr zum Opfer und nach Jahren überrannten sie ebenso Anuhim, geschleift wurden die Mauern von Oradyn. Doch vor Ladean, der Schneeweißen, kam ihr Heer zum Halt. Aradwhaen und Endhuriel sahen sich in die Augen, und jeder nahm Abschied voneinander. Des Morgens sollte Aradwhaen die Garden Ladeans in die aussichtslose Schlacht auf den Ebenen vor der Stadt führen und beide sahen den Untergang voraus, denn klar lag die Zukunft vor ihnen wie ein Buch.

Bevor jedoch die Sonne gänzlich unterging, öffnete Prinz Endhuriel heimlich die Tore der Stadt und ritt hinaus mit seinem Hofstaat. Niemand bemerkte sein Fehlen und auf den Feldern vor der Stadt kehrte sich sein Blick nach innen und er flehte zu seinem Vater: "Merl, Hochweiser Allvater, siehe, deiner Kinder Volk ist in Gefahr. Niemand vermag noch zu helfen, es sei denn du höchstselbst. So bitte ich dich, gib mir die Kraft, sie zu erretten vor der Verdammnis. Nimm, was dein, lass mich zum Schild werden, zu ewigem Trutzwall deinen Bedürftigen, und hilf!"

Mit einem letzten Blick auf die Schneeweiße gerichtet, grub er die Füße tief in den Boden und seine Arme reckten sich empor, keinen Pfeil, keinen Speer hindurchzulassen gen Ladean. Und Endhuriel wuchs und seine Haut wurde hart und harzig, und sein Leib zu einem Stamm, fest wie Marmor. Noch immer wuchs Endhuriel und schon war er höher als die Mauern, dann gar höher als die Türme der Stadt. Seine Füsse aber wurden zu Wurzeln und gruben sich immer tiefer in die Erde und breiteten sich aus in alle Richtungen, bis sie sogar Macht aus der Quelle der Magie schöpfen konnten. Er bäumte sich auf in seinem Zorne und als der Morgen dämmerte, ward vom Heer der Moreledh nichts mehr zu erblicken. Endhuriel aber wurde zum ersten Allbaum, dem grössten aller Geschöpfe Merls und er wird seitdem der Vater aller Bäume geheissen. Sein Hofstaat aber bedeckte das weite Land vor der Stadt, und sie wurden zu Bäumen und Baumhütern, Ents und Dryaden, Zaubereichen und Rieseneschen und seitdem schlingt sich um Ladean ein dichter Wald, undurchdringlich für jeden der ihn bösen Willens betritt.

Als Aradwhaen am Morgen den Wald erblickte, perlten von ihren Wangen Tränen ebenso wie der Tau von den Blättern hinab. Niemals wieder würde sie ihren verlorenen Bruder sehen, niemals wieder ihn umarmen und gemeinsam ihre Träume leben können. Sie schritt hinaus und so gelangte sie auf die Lichtung, wo der Allbaum sich zum Himmel erhob. Sie lehnte sich an seinen Stamm und fast ein ganzes Jahr blieb sie bei ihm. Als aber der Winter nahte, und die Blätter zu Boden sanken, da erinnerte sie sich ihres Volkes. Endhuriel neigte langsam sein Haupt hinab zu ihr und ein Wispern ging durch den Wald: "Schwester Aradwhaen, Ladean ist nun sicher. Doch noch stehen die Armeen der Schwarzhäutigen vor anderen Festen der Echan Lawantyar. Gelange zu ihnen und gib ihnen Hoffnung, gib ihnen, was sie sich selbst verwehren, gib ihnen meine Kraft. Ich vermag dich nicht mehr zu begleiten, doch aus dem Mark meines Seins gebe ich dir Edariel, den Weltenstab." Und wie von einem Windhauch gebrochen, fiel ein starker Ast herab. Aradwhaen schaute lange hinauf, aber endlich ergriff sie ihn, richtete sich auf und verließ Ladean. Endhuriel aber fiel in tiefen Schlaf, und es wird gesagt, er erwache erst wieder, wenn größte Gefahr den Kinder Merls dräue.

So begab sich Aradhwaen, die letzte aus dem Herrschergeschlecht Echanadhs, nach Lochalayr und dorten stieß sie den Stab Edariel in die Erde. Stille ward auf einmal und nur ein leichtes Knistern hörbar, als aus dem Stabe zuerst vereinzelt und klein, dann immer dicker werdend, Wurzeln sprossen und sich den Weg in die Tiefe suchten. Und durch die Verbindung mit Endhuriel, mit dem Wasser der Quelle der Magie erquickt, wuchsen überall um ihn herum neue Schößlinge aus der Erde. Unnatürlich schnell schossen sie in die Höhe und im Laufe eines Tages ward auch Lochalayr umgeben von einem Wall aus magischem Holze. So dicht war die Magie des Waldes, dass man noch immer von Lochalayr, der Verborgenen, redet, denn niemand weiss noch, wo sie sich befinden soll in den heiligen Wäldern von Lochalsh.

Aradwhaen aber nahm Edariel und zog weiter gen Thorgardh, Orndhuria und Merilecha. Überall wo sie den Stab in die Erde stieß, schenkte dieser den hochelbischen Orten Schutz und Hoffnung, indem er ihnen vom Waldvater Merl und seinem Sohne Endhuriel kündete und sie mit einem dichten, magiedurchwirkten Walde umgab. Gewappnet waren die Echan Lawantyar gegen die schwarze Magie der Moreledh, ihrem Makelgift und auch den Traumräubern der Nekromori.

Schließlich betrat Aradwhaen auch Esalaith, die Wandelnde. Hier ward Agrarebar noch greifbar und die Stadt wanderte mit ihr durch die Welten und Sphären. Und so gelangte Aradwhaen mit dem Weltenstabe auch in die Vergessene Welt. An diesem Orte, im Reiche Cairii, verband sich Esalaith wieder mit der Wirklichkeit. Aradwhaen suchte, auch sie zu schützen und grub Edariel tief in die Erde. Wurzeln sprossen und suchten ihre Macht zu wirken. Tief und tiefer gruben sie sich, tastend hinab bis ein Zittern den Stab durchlief. Denn zu ebenjenem Zeitpunkt geschah es, dass Esalaith wieder die Verbindung zur Wirklichkeit verlor, die Vergessene Welt verließ. Aradwhaen aber musste den Stab zurücklassen, denn gebunden war sie an den Wechsel Esalaiths, hinderte doch Neras Weltensiegel, dass sie an diesem Orte verweilte.

So wurde Edariel, der Weltenstab, verloren und die Echan Lawantyar, welche nicht geschützt waren durch seine Kraft, vergaßen den Zauber der Wälder und den Herrn der Haine. Ihre Siedlungen und Heime fristeten ein äonenlanges Schattendasein und wurden letztlich in den Rassenkriegen Malechs zu Staub im Sande der Geschichte zerrieben. Jene aber, deren Lebenskraft bewahrt wurde durch das Opfer Endhuriels, wurden zu einem Volk, welches hernach als die Waldelben bekannt ward. Aradwhaen kehrte nach zehn mal zehn Jahren endlich zurück nach Ladean und obschon sie voll Trauer war, lehrte sie ihr Volk die Gebote des Waldvaters und wurde die erste Seiner Priesterinnen. Doch blieben ihr die Fäden der Zeit nicht verborgen und mit dem Zweiten Gesicht schaute sie hinter die Vorhänge der Zukunft und sie sah, dass einstens wieder Tore geöffnet würden durch die Welten und ein Lächeln umspielte ihre von den Weltenaltern runzligen Augen.

Aus den Annalen des Naer Hethirus,
Primas im Orakel des Nebels zu Ashakyan


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VOM ZWISTE DER JÜNGEREN
Die Legende des Verderbten

Und es begab sich, dass der Verderbte die heilige Stadt Reas heimsuchte mit einer Heerschar von Ratten. Eben noch hatten die Jüngeren gemeinsam getilgt der Nera frevlerischen Sohn vom Antlitze der Welt, nun wandte der Verderbte sich gegen des Lebens Mutter. Er wollte der Rea Mündel lehren die Furcht vor seiner selbst, denn so gefiel es ihm. Legion war die Zahl seiner gierigen Diener und unsagbar die Not, die sie über die Bewohner der Stadt zu bringen drohten. Was sie nicht fraßen von den eingebrachten Gaben der gnädigen Göttin in ihrem unstillbaren Hunger, dass vergifteten sie durch ihre Anwesenheit.

Und Rea sah, was der Verderbte ihrer Stadt Torgard und seinen unschuldigen treuen Einwohnern anzutun drohte und sie entbrannte in gerechtem Zorne. Und ihr Blick suchte ihn, der er wandelte auf dem Antlitz Rorquals. Denn wo er wandelte, da verdorrte der Boden - blieb hungriger glucksender Sumpf zurück, wo vormals grüne feuchte Auen - wurden die Teiche und Seen zu giftig brodelnden Tümpeln und Löchern.

Und nachdem sie verbannt hatte die Scharen des Verderbten aus den heiligen Mauern ihrer Stadt, schleuderte sie ihm ihren heiligen Zorne entgegen und wob einen Fluch wider den Verderbten. Und der Fluch griff mit brennender Hand nach des Verderbten Macht und entriss sie ihm in dem Momente, als des Verderbten Fuß den Boden eines fruchtbaren, von Rea gesegneten Ackers zu vernichten suchte. Und ein Schrei erschütterte das Firmament, als der Verderbte aufsprang und Rache schwor seiner Schwester Rea. Nie wieder wandeln würde er auf der Oberfläche Rorquals, wo der Rea unschuldige Mündel dem Boden ihr Auskommen abrangen. Und als er sich erhob in die Lüfte, konnte der Göttin Fluch seine Macht nicht mehr halten und sie strömte zurück in des Verderbten erhobenen Leib mit Macht. All darob verwandelte der Verderbte sich in ein abscheuliches, riesiges Ungeheuer und kreiste am Firmament. Und sein Blick erheischte neben den Flecken verkommenen Bodens und den gewaltigen Wildnissen, die noch keines denkend Wesens Auge geschaut bisher, neben diesen Orten an denen der Göttin Fluch seine Macht nicht rauben könnte, erheischte sein Blick den Weg in die namenlose Tiefe. Wohin bisher kein einziger der Götter seinen Fuß gesetzt, wo selbst des Chaos Auge noch nicht geblicket, dorthin entschwand der Verderbte, um ob seiner Rache zu sinnen.

Er eroberte sich das Reich unter dem Reich und unterwarf, was an unheiligem Leben dort existierte. Er rief seine Diener und Heerscharen zusammen, ihr Lager hier zu errichten, wo das heilige Licht der Rechtschaffenheit ihre Augen nicht zu blenden und ihre Körper nicht zu verbrennen vermochte. Und sie kamen und errichteten ihm sein Reich unter dem Reich und sein neues Königreich sollte geheißen werden Abyss. Und als er seinen Thron errichtet hatte im Reich unter dem Reich, als seine Dämonen ihm seine faulige Stadt errichtet hatten, da sandte der Verderbte sie aus, zu plagen der Rea Mündel ein weiteres Mal.

Und Rea, die Gnädige erkannte die Härte ihres Fluches gegen den finsteren Gott und es dauerte sie. Und die gnädige Mutter rief ihren Bruder, ihm zu verzeihen und des Fluches Gewalt zu brechen, so der Verderbte sein eigenes Fehl erkennen mochte. Doch in des Verderbten finsterem Innersten gärte die Schmach, die er erlitten durch der Göttin Hand und Fluch, und kein Wort der gnädigen Göttin konnte seine Verstocktheit durchbrechen. Und aus des finsteren Königs Munde erging zur Rache an der gütigen Göttin sein eigener Fluch. Nie sollte der Rea Fuß sich setzen ungestraft in das Reich unter dem Reich. Verlieren sollte sich ihre Macht dort, wohin der Verderbte vor der Göttin Fluch gewichen war. Und Rea hörte und schwieg ...

So geschah es, dass der Rassen Rorquals Söhne und Töchter zu Eltern wurden und deren Söhne und Töchter wiederum und auch deren Söhne und Töchter, solange bis niemand mehr von ihnen sich entsandte des alten Zwistes und der beiden Flüche. Die Streiter der fanatischen Gläubigen zogen aus zu bekämpfen die Streiter der anderen Seite mit Schwert und Wort, bis auch der letzte Wissende von den ewig mahlenden Muehlsteinen dieser Feindschaft verschlungen ward. Und am Ende wusste keiner mehr von der Zeit, als Rea und Demnogonis gemeinsam auf Rorqual gewandelt und mit den anderen zerschlagen des Chaotischen Macht.

Aus den flammenden Glyphen von Lagholaehn,
gefunden in den unergründlichen Tiefen der Abyss 100 Jahre vor der Zeit Malech des Mächtigen

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DIE LEGENDE VON HOVECAN

Es geschah zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort, daß die 2. Prophezeiung weiter ihren Lauf nahm. Ein Schar von Recken machte sich auf in das sagenhafte Land Hovecan, zu erbeuten große Schätze. Hovecan, Land des Reichtums, Land der Dekadenz, Land der Drachen, Land Lejlas.

Doch inzwischen hatte Jawas seine Hand ausgestreckt nach Hovecan, als sie das gelobte Land erreichten, war Krieg. Hovecans fett gewordene Drachenpriester entdeckten verzweifelt, daß sich ihre Göttin abgewandt hatte und so überzog der finstere Mordos, Heerführer der schwarzen Flut, das Land mit Verheerung. Allerorten fochten die unterlegenen Hovecaner hoffnungslose Rückzugsgefechte gegen die Flut der schwarzen Legionen.

Während das Blut von Hovecans Besten ungerächt die Flüsse rötete, entschieden die schatzsuchenden Recken, daß sie Mordos selbst niederstrecken wollten und so sammelten sie, wie in der Prophezeiung geschrieben, Getreue des Lichts unter ihrer Fahne. 10 Recken und drei Weise brachen schließlich zur Zitadelle der Finsternis auf.

Unheiliger Klang, der Herzschlag des Bösen, lag über diesem Hort der Dunkelheit, und Emanuel, der Größte der 3 Weisen sprach:
"Schwärzeste Magie verspüre ich dort. Wisset, Mordos spricht ein gewaltge Beschwörung, herbeizurufen zu seiner Hilfe den Sohn ILIANS, den dämonischen Halbgott Farlokuur. Eilet Eure Schritte, denn dies darf nicht gelingen oder Hovecan wird nimmer mehr sein."

So erstritten sie ihren Weg in die dunkle Bastion und zahlten hohen Blutzoll, doch es geschah, daß sie Mordos, den Heerführer der schwarzen Flut, niederzustrecken vermochten. Aber der unheilvolle Zauber ward gesprochen, das Tor weit geöffnet. Kaum das Mordos' schwarzes Blut den Boden der dunklen Zitadelle netzte, durchschritt der Sohn der Nacht das geöffnete Dimensionsportal, Farlokuur war zurück, zu leben sein zweites Leben.

Die Recken verzagten, als Ilians Sohn einen der Ihren mit erschütternder Beiläufigkeit vernichtete, doch Emanuel sprach laut:

"Segne und bechütze Deine Getreuen, oh Göttin. Farlokuur wandelt erneut, so erhöre mein Flehen, Atara, und sende uns Hoffnung gegen den Bringer der Nacht, auf daß Deine treuen Diener nicht der Finsternis anheimfallen mögen. Mein Leben will ich Dir geben, wenn Du uns beistehest in dieser Stunde der Not ."

So sprach es Emanuel und stürzte sodann sterbend hernieder, doch vom Himmel herab fuhr ein gewaltger Blitz und aus ihm trat hervor der Halbgott Eolil, Sohn Ataras. Da begann ein furchtbarer magischer Zweikampf zu entbrennen, doch weder der Sohn der Nacht noch der Sohn der Ordnung vermochten den Sieg zu erringen.

Als der Tag anbrach, war die Zitadelle Mordos' verwüstet, EOLIL wie auch FARLOKUUR entschwunden. Auf den Schlachtfeldern Hovecans aber beseelte neuer Mut die verbliebenen hovecanischen Krieger, der Siegeszug der nunmehr führerlosen schwarzen Legionen war beendet.

So geschah es, daß Hovecan durch eine Handvoll Getreuer Ataras errettet wurde und bald darauf sollte es im Namen der Ordnung zu neuem Reichtum erblühen.

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DIE LEGENDE VON ASCAN, DEM WILDEN
- Die Geschichte einer Initiation -

Es geschah, als sich Ascans Eltern auf einer langen und schwierigen Reise befanden. Sie befanden sich in einem sehr einsamen Gebiet, fern jeder menschlichen Ansiedlung. Das Gelände war rauh und ein harter Winter kündigte sein Kommen mit eisigen Windstößen an. Schon seit Tagen wurde das Paar von einem Rudel hungriger Wölfe verfolgt. Die Nächte waren erfüllt von ihrem grausigen Geheul, und in den Schatten regte sich noch weit schlimmere Geschöpfe.

In einer dieser Nächte setzten die Wehen bei der jungen Mutter ein. Die Wölfe spürten dies und erkannten mit der gnadenlosen Logik, die den Tieren von der Natur gegeben wird, das nun der Augenblick gekommen sei, ihr eigenes Überleben mit dem Fleisch der Menschen zu sichern.

Blitze zuckten über den nachtschwarzen Himmel, und die Götter zürnten mit Blitz und Geheul ob des Dramas, das sich auf Erden nun abzuspielen begann.

Und während die Mutter ihren Sohn gebar, verteidigte der Vater beide mit seinem Leben und starb mit dem Schwert in der Hand. Dem neugeborenen Sohn aber brannten sich die blendenden Blitze, das Dunkel der Nacht, das Geheul der wilden Tiere und die Todesangst seiner Mutter in die Seele.

Und siehe: als die Not am größten war, erbarmte sich Lithe, die auch die Herrin aller wilden Geschöpfe genannt wird. In ihren Augen flammte animalische Wildheit auf. Ihr Gewand war aus den Fellen von tausend Tieren gewirkt und in der Hand hielt sie einen Bogen aus Menschenknochen. Die Wölfe senkten ihre Häupter vor ihrer Göttin während noch warmes Blut aus ihren Mäulern troff. Die Mutter aber fiel zu Tode erschöpft auf die Knie und flehte um ihren neugeborenen Sohn und weihte ihr sein unschuldiges Leben. Lithe schien dies zu gefallen. Sie gab dem Jungen ein Zeichen, das offenbar werden sollte, wenn die Zeit dafür gekommen sei. Doch der Mutter prophezeihte sie ein frühes Ende, um das Gleichgewicht der Dinge nicht zu sehr zu strapazieren.

So kam es, daß Ascan diese schlimme Nacht mit seiner Mutter überlebte. Er war von Anfang an ein verschlossenes Kind, ein Einzelgänger. Er war bei Gleichaltrigen nicht beliebt, doch wurde er auch nicht gehänselt. Denn in seinen Augen loderte schon früh eine Wildheit, die selbst Erwachsene befremdet zurücktreten ließ, wenn sein Blick auf sie fiel.

Zwölf Jahre vergingen, und seine Mutter ging mit ihm zum Markt in die nahegelegene Stadt. Ein Zimmer konnten sie sich nicht leisten. So schliefen sie am Stadtrand in irgendeinem Gebüsch. Ein fremder Mann kam des Weges. In seinen Lenden loderte die Lust. Doch seine Taschen waren leer und die Dirnen der Stadt würden ihm ihre Gunst kaum umsonst schenken. Da fiel sein Blick auf die junge Mutter, die immer noch schön anzusehen war. Den Jungen schlug er nieder. Danach befriedigte er seine Lust und verletzte die Frau schwer. Der Junge aber erwachte aus seiner Bewußtlosigkeit. Und wie er den fremden Mann über seiner schwerverletzten Mutter hocken sah, die vor Schmerz wimmerte, da öffneten sich die Tore in ihm, die Lithe einst in ihm geschaffen hatte.

Und dieses nun sollte seine Weihe sein. Seine Mutter war das Opfer, das gebracht wurde. Das Blut des Mannes aber, obschon dem Auge noch verborgen, brachte das Herz des Jungen zur Raserei. Blinder Haß verzehrte alles Menschliche in seinem Herzen und brachte sein tierisches Fell zutage. Mit wildem Geheul stürzte er sich auf den Mann und riß mit seinen Fängen tiefe Wunden in sein festes Fleisch. Ströme von Blut ergossen sich in seine durstige Kehle und spülten die inneren Schleusen auf ...

Und Lithe betrachtete die Szene mit Wohlgefallen ...

Überliefert von Ari (Parteilos),
Meister und Hüter der Ewigen Bücher der Anuhim, der Elfen der Nacht

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DIE LEGENDE DER RASSENKRIEGE
Der Sturz Malech des Mächtigen und der Untergang Imperials

Zu den Zeiten, als die Küsten noch andere Linien zeichneten und die Gestirne fremde Bilder, geschah es jedoch, daß ein Sterblicher das Feuer der Rassenkriege entfachte: Malech, dem die Geschichte den Beinamen "Der Mächtige" ob seiner Taten und Untaten verleihen sollte. Malech, der in Höhen aufstieg, wie sie kaum ein zweites Mal ein Sterblicher zu erklimmen suchte. Malech, der ebenso tief stürzte, in seinem Fall ganze Völker mit sich riß und den Lauf der Welt für immer veränderte.

In altem Lande, reich am Segen der Götter, taten die Alten Völker große Wunder und brachten beeindruckende Recken hervor. Unter ihnen erhob sich einer, ein Herrscher und König, welcher fähig war, den Willen Vieler nach seinem Bilde zu lenken. Scharf war sein Geist, voller Charisma verstand er es, die alten Geschlechter der Dei Gnori zu einen und ihnen Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft zu geben. An einem Ort voller Geschichte erbaute er auf alten Mauern eine Stadt und ernannte sich selbst zum Imperator.

Könige und Fürsten beugten ihre Häupter vor seiner Weisheit. Provinzen und Städte begaben sich unter den Schutz der allzeit ungeschlagenen Armeen seiner Generäle. Häuptlinge und Händler zollten der Macht seines Wortes Tribut. Und so wuchs sein Reich mit jedem Tag der verging und der Ruhm Malech des Mächtigen wuchs ebenso. Die Stadt, die der Imperator erbaut hatte und wo er den Treueeid seiner Vasallen entgegennahm, sollte bald nur noch unter dem Namen Imperial, die Hauptstadt der Welt, bekannt sein.

Helden, Priester, Pilger, Händler und Reisende aller Herren Länder bevölkerten die Straßen der Metropole wie keiner anderen Stadt, brachten den Geist Lejlas über die Märkte und Häfen. So waren die Untertanen Malechs den wechselhaften Göttern zugetan. Voller Verehrung für die Drachenmutter weihten sie ihr gewaltige Paläste an den Gestaden der roten See.

Die schillernde Pracht vor Augen fühlte sich Lejla an den Geist Ul'Dhaessas, ihrer untergegangenen Stadt, erinnert und sie gewährte Imperial und dem Imperator ihren Segen. In Imperial errichtete Lejla ihr Sanktum. Sie erhob die Stadt zu ihrer ewigen Stadt und segnete das Volk der Dei Gnori. Die Drachenmutter gewährte ihnen die Gabe ihre geringsten Kinder zu verstehen und fortan zogen die Helden der Dei Gnori auf dem Rücken der Bronzedrachen in die Schlacht, legten Zeugnis ab von der Macht Lejlas.

Langlebig war das Volk Malech des Mächtigen und lange währte seine Herrschaft. Doch je näher sein Tod rückte, desto hochmütiger ward er. Geblendet von seinem eigenen Ruhm rief er am Ende die Götter an und verlangte Unsterblichkeit. Gleichwohl aber die verwehrten die Ewigen ihm.

Erzürnt darob brach er im Herzen mit Lejla. Er entsandte seine machtvollen Legionen, zu unterwerfen die Welt und so zu erzwingen die Anerkennung der Götter. Und Schlachten wurden geschlagen ohne Zahl und nur die endlosen Gebeinwüsten erinnern noch ihrer. Jahrzehnt um Jahrzehnt ward geprägt vom Blute der Gefallenen und dem Stöhnen der Verstümmelten.
Nah war die Zeit, da Verderben die großen Rassen Rorquals in einem Maße erfaßte, wo ihr Vergehen vorherbestimmt. Kriege wurden geführt allein um Beute und Tod, nicht um Ehre oder Kampf. Volk um Volk wurde in den Abgrund des Krieges gerissen, denn die Scharen des Imperators erschlugen in ihrer Raserei jeden, ungedenk seiner Herkunft oder Bestimmung.

Aus dem Band zwischen Dei Gnori und Drachen, das Lejla geschenkt hatte, war ein Fluch geworden. Die einander in Respekt und Freundschaft zu dienen Bestimmten waren zu Herren und Sklaven verkommen.

In den Annalen der Geschichte ward dies Zeitalter nur noch bekannt als das Äon der Rassenkriege. Viele vergingen und der Schleier der Vergessenheit breitete sich über die Ruinen einstiger Städte. Verloren die Echan Lawantyar, gebrochen die Eisblutigen, zerstört die Thalar. Nur die Völker der Steingrabenden wurden verschont, denn unzugänglich waren ihre Höhlen und sie verschlossen sich allen Seiten der Krieg Treibenden.

Berauscht von den Siegen seiner Heere, von den Mächten über die er zu gebieten vermochte, hielt Malech sich schließlich den Avataren der Götter für ebenbürtig. Entsetzt erhob Lejla ihre Hand, den Dei Gnori ihr Geschenk zu entziehen, ja gar Reich und Volk Malech des Mächtigen mit dem Feuer ihrer Drachen zu Asche zu verbrennen. Doch des Imperators Heer lagerte vor den Toren der ewigen Stadt Donnerhall und Athos gebot Lejla Einhalt. Hier wartete eine Schlacht darauf geschlagen zu werden.

Athos entsandte den Sohn des Krieges, Thorin, den man den Älteren genannt, den Imperator und sein Heer zurückzuschlagen im Kampfe. Malech sollte erkennen, daß Er niemals einem Avatar der Götter würde ebenbürtig sein können. Niemals wieder sollte daran ein Zweifel bestehen, ob die Dei Gnori nun über Drachen geboten oder nicht. Das ruhmlose Völkermorden sollte ein Ende finden. Vor den Toren Donnerhalls erschien Thorin, grausig anzuschauen für die Schwachen, und von seinem Streitwagen erschallte das Horn der Welten. Jenes Artefakt, daß die Welten verbindet oder trennt und welches die alten Helden von einst von des Athos Walstatt rief und ihnen geisterhaftes Leben einhauchte, bis auch die letzte Schlacht geschlagen. Und das Donnern der Blitze rief den Imperator zum Kampfe. So standen sich die Heerscharen Athos' und Malechs gegenüber.

Doch Verrat im Sinn forderte der Hochmütige den Sohn des Krieges zum Duell. Thorin stieg herab von seinem Streitwagen. Sich zum Zwiestreite rüstend gab er das Horn der Welten in die Hände einiger getreuer Diener. Schwert und Schild in Händen strebte der Krieger dem Platz des Duells zu. Malech jedoch verbarg sich, brach sein Wort und erschien nicht. In dem Moment als Thorin, getrennt von seinen Getreuen abseits der Heerlager seines Gegners harrte, warf Palestes - ein General Malechs - auf seines Herrn Geheiß, seine Truppen gegen die Flanke der Verteidiger. Mit List und Tücke - doch vor allem Dank der ohne Rücksicht auf die eigenen Männer vorgetragenen Attacke - brach sich des Imperators Heeresspitze den Weg bis tief ins Lager des gegnerischen Heeres frei; wo sie die Getreuen Thorins erschlugen und das Horn der Welten an sich rissen.

Eiligst zogen die Verräter sich daraufhin zurück, und Malech - unfähig das Horn der Welten zu benutzen oder zu zerstören - befahl das Artefakt zu verbergen. Dutzende Drachenreiter brachen vom Schlachtfeld auf, eilten zurück bis selbst in die entlegendsten Enden des Reiches des Imperators. Ein jeder möglicherweise der mit dem göttlich Schatz bei sich. Das Horn der Welten in seinen Schatzkammern verborgen wissend zog Malech seine Truppen ab, versagte hohnlächelnd dem Krieger Athos' das Duell und die Schlacht.

Doch beseelt von donnernd Zorn trat da der Sohn des Krieges vor seinen ew'gen Vater und forderte bei seinem unsterblichen Leben, wo er bisher niemals gefordert, sondern immer nur gedient hatte. Darob trat der ewige Krieger höchstselbst zu seinen Geschwistern und bat sie die Jagd zu eröffnen auf den Hochmütigen und dessen Schergen. Viel Zorn ward in den Ewigen. Sie entsandten ihre Kinder und machtvollen Diener, zu strafen die Lebenden. Die Heere ihrer Avatare, Thorin allen voran, durchmaßen das Land und wo sie gingen war Leid und Zerstörung unter den Untertanen Malechs. Schlacht um Schlacht schlug Thorin in seiner Jagd auf Malech, Heer um Heer seines Feindes zerschlug er. Zerstörung war allerorten, Berge versanken in den Fluten und neues Land erhob sich um gleich darauf wieder den Gewalten zu weichen.

Die Götter straften die Heerscharen des Imperators und warfen sie in die Abgründe unter der Welt. Lejla entzog ihnen ihre Gnade, daß die Schwingen der Drachen sie nie wieder trügen in die Lüfte und sie ihre Blicke erhöben gen die eternen Festen der Götter. Merl nahm ihnen den wachen Geist, damit nie wieder Hochmut sie anstachele zu frevelhaftem Tun. Und einlösend eine alte Schuld, nahm sich der düstere König des Reiches unter dem Reiche ihrer an, stürzte die bereits so tief Gefallenen noch tiefer in das Verderben. Willenlos waren sie nunmehr, entstellte Monster, halb Tier, halb denkend Wesen und allein verzehrt von Haß.

Im Aufschrei der Verlorenen versank aber endlich das Reich des Imperators in den Roten Wogen und riß auch ihn selbst hinab auf immerdar. Erst im Moment seines Untergangs, viel zu spät, sollte Malech die Erkenntnis überkommen, wozu er geworden war. Zu spät um die Vergebung der Götter zu erhalten. Doch verging Malech der Mächtige mit dem Wissen, daß sein Ruf nach Unsterblichkeit sich nun doch erfüllen würde.

Nur das Kräuseln der blutigen Wellen und entlegene und vergessene Mauern und Ruinen blieben, wo einst die Glorie des Großreiches alle Lebenden staunen und zugleich erzittern ließ.

So ruht das Land nun in den Fluten, bis daß der Götter Mitleid es wieder erhebe ans Licht der Welt, aber unsterblich soll die Erinnerung sein an das Schicksal Malech des Mächtigen.

Aus den Annalen des Naer Hethirus,
Primas im Orakel des Nebels zu Ashakyan


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DIE LEGENDE VON AHZ' GOR

Es geschah zu der Zeit, da die alten Rassenkriege Rorquals Boden mit Blut tränkten, daß die Legionen des Eisreiches Tikunador in der Senke von Ahe auf die Armee des Chaos-Magiers Ahz'Gor trafen.

Ahz'Gor war einer der mächtigsten Magier seiner Zeit und heimlich hatte er eine Möglichkeit ersonnen, mit dem nach NICHTWELT verbannten Gotte Dante einen teuflischen Pakt zu schließen.

Heftig wogte das Schlachtenglück, doch am Abend schienen die vom Chaos verwandelten Krieger Ahz'Gors den Tag für sich entscheiden zu können. Doch hoch daroben verfolgte eine zürnende Göttin Lithe das Abschlachten Ihrer treuen Kinder, und schließlich fuhr sie auf Rorqual hernieder und ließ die Chaos-Armee in ewgem Eise erstarren.

Hundert Jahre später, als Jawas schwarze Legionen während des 2. Dämonenkrieges den Norden nahmen, verging Tikunador und nie wieder hörte seitdem jemand etwas von den Kindern des Eisvolkes.

Der Chaos-Magier dagegen ward zur Legende und nicht vergessen. Er und seine furchtbare Armee sind seither in der Senke von Ahe unter ewgem Eis begraben und viele Priester des Chaos beten bis heute vergebens um seine Befreiung.
Doch nun, da der Bannerträger den Gott des Chaos befreite - wer soll erahnen, was weiter geschehen mag?

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DER BETROGENE

Es geschah zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort, daß die zwei Prophezeiungen gesprochen worden. In beiden Prophezeiungen stand geschrieben, daß es der Betrogene sein würde, der einst furchtbares Unheil über die Welt bringen würde.

Jahrhunderte später brach eine Gruppe von Abenteurern auf, die Leere zu erkunden und schließlich entdeckten sie einen Zugang zu NICHTWELT.

Neugierig erforschten sie das Unbekannte und alsbald fanden sie eine junge Maid, welche gar große Furcht vor einer Kreatur namens DANTUR auszustehen schien. Doch in Wahrheit verbarg sich der Gott des Chaos hinter der Maiden hübschem Antlitz,  nach Äönen begierig, seinem ewgen Gefängnis zu entfliehen.
Die Gefährten Dartayets mieden die Maid, denn sie spürten die Gefahr. Jean Dartayet jedoch, der unerfahrenste der Helden, entschied, die Maid zu retten, und so flohen sie NICHTWELT, die junge Frau in Jeans starkem Arm.

Doch kaum dem Abgrund entflohen, enthüllte der Sohn Neras sein wahres Gesicht.  DANTE fuhr in den unglücklichen Dartayet und ergriff Besitz von des Betrogenen Leib und Seele.

So geschah es, daß der Gott des Chaos der Gefangenschaft der JÜNGEREN entfliehen und stärker denn je nach Rorqual zurückkehren konnte. Jean Dartayet jedoch wurde durch die Kräfte des Chaos auf immer verwandelt und ist seitdem gefürchtet als Dartayeon, Bannerträger des Chaos.

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DIE LEGENDE VON ANWAESTEL

Siehe, der Zeiten Strömung wogt beständig auf und ab, bringt dabei vermeintlich neues und wischt dabei doch nur die Spuren vergangener Irrungen aus dem Gedächtnis der Sterblichen. Was so erscheint als neuer Fehler ist doch nur ein Echo, eine erneute Welle des alten, eine Wiederholung wie viele andere zuvor.

So ist es nun an der Zeit, daß ich künden will von dem, den man Anwaestel nannte, und von dem Fehler, den er beging, wie viele vor ihm und schon viele nach ihm.

Ich beginne meine Erzählung an den Gestaden von Aglarebar, das da heißt die "alte Heimat". Dort, wo die Schneeelben ihre Heimstatt hatten, in der ewiger Frost herrschte und kein Wasser fiel vom Himmel denn als Schnee oder Hagel, fern von allen anderen Lebewesen, eine Zeit, da in das Reich des Eises Menschen kamen, Seefahrer, Erkunder, rauhes Volk.

Sie fanden in der Weite des Eises, allein, zwei Elben, die da hießen Ninniachiore und Gwailuva, diese gaben sich das Versprechen ihrer Ehe. Doch die Menschen erschlugen Gwailuva, und sie schwängerten Ninniachiore, und diese ward schwanger und gebar wider den Willen der Elben, die um ihre Reinheit fürchteten, ein Halbblut, den sie Hinocalril, "Kind des hellen Lichtes", nannte.
Hinocalril jedoch ward gehaßt von den Elben, und so gab man ihm den Namen Anwaestel, welches da stammt von vanwa estel, "verlorene Hoffnung". So lange wurde er Anwaestel genannt, bis er darselbst verlangte, daß dies, daß "verlorene Hoffnung" sein Name sei, nur um dem Spotte den Stachel zu nehmen.

Anwaestel war ein eilfertiger Schüler. Sich seiner Andersartigkeit durch Fleiß erwehrend, brachte er es zu großem Können unter denen, die Magie zu wirken verstanden. Seinen Durst nach Wissen vermochte Ninniachiore, Elbin der Schneeelben, wohl zu stillen, doch eines lehrte sie ihren Sohn nicht: das Wissen um die Götter der Elben, derer es gab drei, auch wenn die gottlosen Schneeelben sie nicht verehrten.

Und so ward Anwaestel, welcher sich alles, was er vorweisen konnte, mit dem Schweiß der eigenen Tat erkämpft hatte, der schlimmste aller Ketzer, nichtwissend und nicht glaubend an die Götter, und überzeugt, seine Macht sei allein sein eigen Werk. Daher war denn alles, was er tat, verurteilt zum Scheitern, denn in Wahrheit ist dieses Ketzertum nicht der Glaube an nichts, sondern Chaos.

Viele Jahre gingen ins Land, und das Schicksal wies den Elben verschlungene Wege, die sie schließlich auf die Welt der roten Wogen führten.

Uneins waren die Elben untereinander, ein jeder ging seiner eigenen Wege, wie es Sitte gewesen ward in der alten Heimat, wo allein galt, daß das Tun eines Elben keinem anderen schaden durfte. Sie nannten sich Atani vinyabareva, Volk der neuen Heimat, doch allein diesen Namen hatten sie lange Zeit gemein.

Anwaestel beschritt auch hier den Pfad, dem er in Aglarebar gefolgt war, und redete viel, und sprach von den Wegen der alten Heimat, von der Neutralität vor den Göttern und von der eigenen Macht. Und er sprach mit der Zunge des Chaos, und es erhob sich ein großes Raunen unter den Gläubigen auf Rorqual, die er da gar mannigfaltig bedachte mit Schimpf und Schande.

Und siehe, Dante frohlockte, als er dieses sah.

Ilmare und Tarsilval, engste Freundin und ärgster Feind, mahnten und verstießen Anwaestel ob seiner Reden, denn sie erkannten, daß auf der Welt der roten Wogen andere Wege zu beschreiten waren, Wege des Glaubens. Ilmare bekannte sich zum Lichte und zu Merl, und betete zu diesem, und Tarsilval bekannte sich zum Eise und zu Lithe.

Als nun die Kinder eines Volkes zerrissen waren und einander um größere Gunst buhlten, da frohlockte Dante wiederum, denn diese ketzerisch Teilung des eigenen Volkes brachte weiteres Chaos in die Lande Rorquals, wie es ein jeder Zwist innerhalb eines Volkes tut.

Dennoch, Anwaestel schwieg nicht, und obschon er nicht mehr sprach für das Volk der Schneeelben sondern verstoßen ward, war es das Zerwürfnis und der Zwist in diesem Volke, das weiter die Macht des Chaos mehrte, und Dantes Freude war groß.

Der Muttermörder schickte den Erzmagier des Chaos zu den Elben, denn er sah sie bereit für seine Zwecke. Im Juni des Jahres Zwei befahl er ihnen, durch Opfer seine Macht zu mehren. Und ebenso im Juni des Jahres Zwei boten die Herrin der Ordnung, die Göttin des Eises und der Jagd und der Vater des Lichtes darselbst dem Muttermörder die Stirn. Die Lande erbebten unter ihrem Ruf "DANTUR, es ist genug!"

Paladine der Ordnung stritten Seite an Seite mit Geisterwölfen, gleißende Erzengel L'Arins erhoben sich über das Schlachtfeld und die Hüter des Lichts schritten unter ihnen in den Kampf. Hundertfach überlegen an Zahl waren sie den Kämpfern der Sterblichen, um ein Vielfaches mehr als die Mitglieder auch des größten Volkes, so gewaltig war die Armee der drei Götter, daß ganz Rorqual erzitterte. Eolil darselbst führte die Armee der Ordnung in die Schlacht. Ihr gegenüber standen die Horden des Chaos, so weit das Auge reichte. Legion war ihre Zahl, und versammelt waren sie unter dem Banner Ahz'Gors, des Erzmagiers des Chaos.

Heroisch trat eine stolze Armee der Paladine der Ordnung noch im Mond der Ordnung einer Übermacht der Chaoskrieger entgegen, abseits der großen Heerlager, und unterlag nach kurzem Ringen dem Chaos. Doch ihr Beispiel war den Elben genug. Den Frevel begreifend warfen sie sich zu Boden und flehten um Hilfe.

Die Götter waren nicht ohne Mitleid und ihre Bestimmung, dem Chaos zu trotzen, verhieß ihnen, für die Atani vinyabareva gegen das Chaos zu streiten, und nicht mehr gegen die Schneeelben. Auch Dantur vernahm diese Worte der Schneeelben, und sein Chaos wandte sich nun gegen sie.
Im Juli des Jahres Zwei traf die Ordnung auf das Chaos. Eolil selbst befahl den Angriff gegen die Armeen des Muttermörders, und restlos wurden die Horden Danturs, die ihm entgegen traten, zermahlen zu Staub. Allein, Ahz'Gor weilte unweit davon bei einer weit größeren Armee und sammelte seine Macht, noch nicht bereit, sich dem Heerführer der Legionen des Lichtes zu stellen.

Doch die Elben waren noch immer uneins und ängstlich, verkrochen sich und fochten nicht für die Götter, die für sie eintraten, und wiederum frohlockte Dante, denn auch dieses Tun förderte seine Macht, und die Zahl seiner Diener wuchs dadurch.

Im Mond des Panthers stellten die Armeen der Ordnung Ahz'Gor, und bezogen Stellung. Gar gewaltig war die Schlacht, die im Mond des Todes geschlagen wurde.
Unübersehbar waren die Horden des Chaos, und ihnen gegenüber standen ebenso unzählbar viele Streiter für die Ordnung. Des Chaos Kampfkraft war größer als die des Lichtes, und allein die Macht Eolils vermochte dem Wirken Ahz'Gors und dem Vormarsch des Chaos Einhalt zu gebieten.

Umringt von seinen treuesten Kriegern stand Eolil inmitten des Heeres der Ordnung und hielt die Mitte des Feldes. Wieder und wieder brandete das Chaos auf die Paladine der Ordnung ein, während Geisterwölfe die rechte Flanke und die Erzengel L'Arins zusammen mit der Pilgerarmee des Wegbereiters die linke Flanke der Armee von Ahz'Gor attackierten. Stunde um Stunde, Tag um Tag drang das Chaos auf die Ordnung ein, scheinbar unaufhaltsam, und gar viele Krieger fielen. Schon im ersten Ansturm des Chaos wurde der fünfte Teil der Truppen der Ordnung geschlagen. Doch wieder und wieder fuhr die Macht der Ordnung in das Chaos.

Dreimal erklang das tieftönerne Schmettern des Horns des Chaos, hallte über die weiten Ebenen und erhob sich zu einem mächtigen Ruf an die Horden des Muttermörders, dreimal stürmte das Chaos auf die Armeen der Ordnung ein, und dreimal wankte die Front der Gerechten.
Doch jedes Mal rief Eolil donnernde Worte göttlichen Ursprunges. Hernieder rief er Blitze von furchtbarer Macht, und unter diesem göttlichen Feuer verging die Armee des Chaos.

Drei Tage und drei Nächte währte die Schlacht, und die Weiten Rorquals erbebten unter der Macht, die dort entfesselt wurde.
Und als die dritte Nacht vorüberging und der Morgen anbrach, da war die Armee des Chaos geschlagen. Nicht ein einziger Diener Dantes hatte das furchtbare Wüten der Ordnung überlebt, Ahz'Gor selbst war unter dem Feuer von Eolils Blitzen schwer verwundet und floh.

Doch obschon seine Armee geschlagen war, scherte es Dantur nicht. Atara selbst forderte er heraus und sprach:
"Atara, was schert mich Dein kleinlich Geringe um 'Atani Vinyabareva', war doch diese verkommene Brut nicht einmal wert, den Bannerträger selbst zu entsenden. Der Sieg ist bereits mein, Närrin.
Während Du noch um einen ringst, fielen bereits zwei weitere dem Chaos anheim. Sie glauben Eurer nicht mehr und werden nun vom Chaos gewandelt, des Bannerträgers Armee mehrt sich dort von Stunde zu Stunde.
Die Welt vergeht, zu Chaos wird sie sich wandeln und Licht und Finsternis ersterben!"

Doch dieses einen Schlachtfeldes war die Göttin der Ordung überdrüssig. Die Schlacht war gewonnen, und ehe die erneute ketzerische Rede Anwaestels Dantur aufs Neue zu stärken vermochte, bereitete Atara garselbst dieser Rede ein Ende, um auch endgüldig des Sieges an dieser Front sicher zu sein.
Und so stieg Sie aus den Himmeln, den Frevler zu strafen: Im Oktober des Jahres Zwei schweifte Ihr lodernder Blick über die Weiten der Ebene von Norgard, legte sich bohrend auf Anwaestel, den Ketzer, worauf dieser plötzlich sterbend zu Boden fiel. Licht strahlte ihm aus Augen und Mund, welches erst Tage nach seinem Tode langsam verblaßte.

Zur Mahnung ward errichtet ein Schrein in Norgard, wodrinnen der nicht verwesende Leichnam auf ewig zur Mahnung stehen solle, doch schon bald, in den Wirren eines weiteren Krieges, forderte Danturs Wirken diesen Turm, und er ward geschliffen und seine Trümmer liegen verrottend verstreut, und erneut hält das Chaos Einzug auf Rorqual.

So siehe, der Zeiten Strömung tilgt manches Mal die Erinnerung an ein Geschehen schneller, als das Geschehene selbst vorüber ist.

Nun, laß mich einen Moment innehalten, schwer geht mir der Atem. Erzählt habe ich Dir von Schlachten und von Göttern, doch ich will versuchen, auch Lehren zu ziehen aus dem, was geschah, und Dir künden von dem, was der Fehl der Elben gewesen.
Danturs Macht ward dreifach gestärkt durch das Tun der Schneeelben:
Durch ketzerische Rede, welches Danturs erstes Gelüst ist.
Durch Uneinigkeit, Zwist und Chaos, welches Danturs zweites Gelüst ist.
Letztens durch die Lippenbekenntnisse zu den Göttern, denen nichts folgt, denn dieses ist Danturs drittes Gelüst.

Und auch wenn die Macht der Götter Rorqual erzittern ließ, auch wenn Avatare selbst stritten und streiten gegen das Chaos, die Sterblichen vergessen dennoch und dienen Dantur.

Dieses, geneigter Hörer, ist die Legende, was Anwaestel war und was er wurde, und wie er das Chaos über Rorqual brachte.
Dies sei eine Mahnung, die auf immerdar stehen soll und muß gegen das Chaos, gegen die Einflüsterung und die Verführung durch den Muttermörder.
Lausche ihr, und bewege die Worte in Deinem Herzen, auf daß nicht Dein Tun ebenfalls das Chaos auf unsere Welt bringt, und Du dem Untergange Rorquals Vorschub leistest.

zusammengetragen und getreulich notiert durch
Pico mor Dianula, Chronist von Khartum

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VALERON
Die Saga des Helden aus Andelorn

Viele Sterbliche Rorquals schreiben Geschichte,
und von dieser zu künden, war stets die Aufgabe der wenigen,
die Chronisten genannt worden sind, Bewahrer von Legenden.

Doch es gibt unter den Sterblichen, die ebenso über die schreiben,
die Geschichte schrieben, einige, die würdig in unsere Fußstapfen treten,
deren Schriften und Werke eingehen in die Chroniken Rorquals.

Ihr Wirken bleibt nicht ungelesen.
Ihre Worte verhallen nicht ungehört.
Ihr Erbe wird bewahrt werden.

So geschah es im Mond des Todes in diesem Jahr,
daß über den Tod eines Helden geschrieben wurde.
Dieses Werk ist würdig, Legende genannt zu werden.
So lest die Wandinschrift des Athostempel zu Ishtar,
lest sie und bewahrt das Andenken dessen, von dem sie kündet.

Pico mor Dianula
Chronist von Khartum.


Kopie der Platin-Inschriften an den Tempelwänden zu Ishtar,
welche im Mond des Panthers des Jahres 10 auftauchten


V A L E R O N
Die Saga des Helden aus Andelorn

Prolog

Es sei der Ewigkeit vermacht
Ein Epos im Gedichte.
Aus Wahrem haben wir's gemacht,
Aus Valerons Geschichte.

Vernehmt so denn des Helden Lied,
Es soll Euch Wärme schenken,
Wie's uns zu schaffen es beschied,
In hehrem Angedenken.


Carput I - Der Pakt

Imperial, der Kontinent,
Barg viele Dutzend Lande,
Mit Namen, die man heut' noch kennt,
In Ehren wie in Schande.

Zwei Reiche lagen Seit' an Seit',
Von Finsternis das eine.
Das andere war wild und weit,
Und jedem blieb das seine.

Da sandt' die Hölle IHN herauf,
Dass ER die Schatten mehre.
Ein Schreckenszug nahm seinen Lauf
Im Marsch der toten Heere.

Die Dunkeltrolle beugten sich
Vor IHM als neuem MEISTER,
Und Norghes Heim fiel bitterlich,
Dort gehen heut' noch Geister.

Barbaren standen schon zu Feld,
Da schickten die Schamanen,
Den andelornschen Kriegerheld
Auf körperlose Bahnen.

Zu Hades wanderte sein Bild.
Dort rief er in die Schächte:
"Die Clans war'n immer stolz und wild,
Sind lieber tot als Knechte!"

So sah der Finst're Fürst wohl ein,
Wem Andelorn gehörte,
Und ohne Nutzen würd' es sein,
Wenn man's durch Krieg zerstörte.

Doch frei zu sein, war nun ein Gut,
Das ER er nur schwer gewährte.
Ein Ehreneid sei IHM Tribut,
Dass ER nicht Mord begehrte.

Wie seltsam klingt die Ironie
Aus jenen frühen Tagen:
Es beugte Valeron sein Knie
Und blieb doch ungeschlagen.


Carput II - Der Paladin

Schon bald erschien ein Rittersmann,
Der Stahl war seine Seele.
Er sprach nicht viel, nur dann und wann,
Und meistens Marschbefehle.

So nahm denn dieser Beokin
Ein Andelorner Leben,
Was Valeron dem Paladin
Nun nimmer wollt' vergeben.

Erschlagen lag in dunklem Blut
Ein Mann der Altersweisen.
Da packte Andelorn die Wut
Und letztlich scharfes Eisen.

Ein Pulk Barbaren stampfte los,
Den toten Freund zu rächen.
Der Paladine Gegenstoß
Vermocht' sie nicht zu brechen.

So fiel in einer heißen Schlacht
Der kalte Ordenskrieger
Und Feuer glosten jene Nacht
Vom Freudenfest der Sieger.

Dann schlichen heimlich zu dem Leich'
Der Schädelpriester dreie,
Verschleppten ihn ins Knochenreich
Zu einer schwarzen Weihe.

Dort lag er stumm im Dämmerschein
Der unheiligsten Kerzen,
Gebettet aufs Altargestein,
Gezeichnet über'm Herzen.

Ein Runenkranz umlief die Haut,
Wo einst die Pulse pochten.
Darinnen ward, aus Erz gebaut,
Ein magisch Ding verflochten.

Der Priester Nadeln, Stich um Stich,
Verschlossen flink die Wunde.
Wie grauenhaft und lästerlich,
Ist solch verbot'ne Kunde!

Denn als das Werk vollendet war,
Erhoben sich die Lider.
Dem Lichte fremd, der Liebe bar,
So kam der Tote wieder.

Als Mordin wurde er bekannt,
Als Steinherz, der Erwachte,
Beherrschend all das welke Land,
Das ihm den Untod brachte.

Verloren ward des Ritters Seel',
Getrunken, IHN zu nähren,
Vergessen weder Feind noch Fehl,
Sein Haß sollt' ewig währen.


Carput III - Der Exodus

Eintausend und ein drittes Jahr
Nach Malechs letzter Reise,
Imperial sich neugebar
Auf andersart'ge Weise.

Als Schwarzes Reich auf altem Grund,
Von Finsternis der Glaube,
Erhob es sich zu jener Stund'
Aus längst vergess'nem Staube.

Des Imperators knöchern Hand
Gebot darob aufs Neue
Den Lehnsvasallen Leut' und Land
Für unbedingte Treue.

Lord Valeron sprach hierzu nur,
Er tat, wie er gesprochen.
Vollendet sei ein erster Schwur,
Das Scheiden angebrochen.

Noch während man ihm and'res hieß,
Zog Andelorn zum Meere.
Im Wind, der straff gen Westen blies,
Entglitten seine Heere.

Wo fern die Sonne Ruhe fand,
An Sturmgepeitschter Küste,
Sei ihnen Freiheit unterpfand
Als Höchstes der Gelüste.

"Niemals", sprach da des Toten Mund,
"Darf er sich uns entziehen!
Kein Ort in diesem Weltenrund
An den er könnt' entfliehen!"

Das steinern Herz ward heiß vor Zorn.
Es blitzten scharfe Zähne:
Ein jeder Clan aus Andelorn
Sei hörig der Domäne!

"Im Leben nicht", sprach Valeron,
"Ihr könnt uns nicht mehr binden!"
Dann segelte er grimm davon,
Ein neues Heim zu finden.

So nannten sie sich treulich Feind,
Ein Feind, der ewig bliebe.
Im Hasse waren sie vereint,
Ein Haß wie schwarze Liebe.

Carput IV - Das Duell

Alsbald erscholl so denn das Wort,
Die Fehde auszufechten,
An eben jenem blut'gen Ort,
Wo sich die Wilden rächten.

Das Gras war welk seit dieser Schlacht,
Von dunklem Geist durchdrungen,
Die Schatten jener heißen Nacht,
Noch immer nicht verklungen.

Dort trat der Krieger vor ihn hin,
Den er im Groll erschlagen,
Und hob mit Stolz sein raues Kinn,
Es noch einmal zu wagen.

In Mordins Augen glomm der Stahl
Von seines Mörders Klinge,
Der kam, zu enden Zwistes Qual,
Wenn einer wen bezwinge.

Erbebend fielen Schlag auf Schlag
Vor Athos' grauen Zeugen.
Es ward gekämpft, den ganzen Tag,
Doch niemand wollt' sich beugen.

Der Untod kennt nicht Müdigkeit,
Noch ist ihm Schmerz zu eigen.
Doch Valeron, mit Tapferkeit,
Konnt' ebensolches zeigen.

Im Morgengrauen trennte man
Der Kontrahenten Klingen,
Entzweit nur durch des Panthers Bann,
Ein Ende zu erzwingen.

Verkündet ward an dieser Stell':
Es gelte unentschieden!
Zwei Sieger hatte das Duell,
Doch blieb ein Sieg vermieden.

An Athos sandte jeder nun
Ein still getanes Schwören.
Was sie gelobten, denn zu tun,
Durft' er alleinigst hören.

Nur eines ist daraus bekannt:
Wenn sie erneut sich fänden,
Dann sei ein letzter Kampf entbrannt,
Bis alle Zweifel schwänden!

Nicht Gnade sei, noch Reue nicht,
Nur Heil auf Stahles Schneide!
Es wär' Ihr letztes Schwertgericht,
Getreu dem Ehreneide.


Carput V - Die Erhebung

Dann kam die Zeit von Zions Schand',
Die Alte Mächte weckte,
Und beinah' schon mit Weltenbrand
Die Lande überdeckte.

Der Elfe Auge fiel sogleich
Auf Valerons Barbaren,
Die tapfer, stark und panthergleich,
Gestählte Krieger waren.

Den Ersten der Titanenbrut,
Den galt es zu bezwingen:
Getauft an Joras heißem Blut
Sei'n Andelornsche Klingen!

Und seht, der Held kam siegreich heim,
Wie's unlängst ward besungen -
Zerschmettert lag des Chaos' Keim,
Mit Todesmut bezwungen.

Der Welten Lohn war Fortbestand,
Der seine war ein Segen,
Denn in des Kriegers fester Hand
Hat unser Heil gelegen.

Noch heute zieh'n die Clans zu Feld,
Des Chaos' Schar zu jagen,
Die sich für unbesiegbar hält
In diesen blassen Tagen.

Doch auch wo Gier die Ehre bricht,
Da landen Athos' Beste
Mit wildem Zorn im Angesicht
Zu einem ihrer Feste.

Sie rauben, meist von Räubern nur,
Von zweifelhaften Dieben.
So wurd' es Andelorns Natur,
Die Mächtigen zu sieben.

Ein Mancher findet neue Ehr',
Erkämpft im Kreis der Recken,
Ein And'rer wird wohl nimmermehr
Des Edlen Lohn entdecken.


Carput VI - Das Armageddon

Nach Hovecan, dem Schicksalsort,
Der großen Schlacht der Schlachten,
Ging Valeron auf Gotteswort,
Wie's alle Treuen machten.

Sein größter Feind ward jedoch auch
Höchstselbst zu Feld geritten.
Aus einem Tor im schwarzen Rauch
Kam Mordins Heer geschritten.

Doch Athos sah's und gab dem Eid -
Wo Dante machtvoll nahte -
Ein Quentchen aufgeschob'ne Zeit,
Denn alles hing am Grate!

Gemäßigt sei die blanke Wut,
Wohlwissend, daß am Ende,
Des einen oder and'ren Blut
Versproch'ne Rache fände.

Als Dante dann durch Morlok fiel,
Kam ihre Stund' der Ehre.
Zu beider Schwüre letztlich Ziel
Marschierten große Heere.

Die Seelenräuber-Legion
Kam rastlos angeschritten.
Clan Valeron stand wachsam schon,
Der Kriegerheld inmitten.

"Für Zathuur, der mich neu erschuf!"
Kam dunkel die Offerte.
"Für Athos nur!" erklang sein Ruf
In Andelornscher Härte.

Dann brach das Schlachtgetümmel los,
Ein tobend' Meer der Waffen,
Mit Hieb und Hasten, Sturm und Stoß,
Im Zorn der Zeit geschaffen.

Es klirrte Stahl und Holz zerbrach,
Aus Tausend Kehlen grollte
Ein Donner, der noch lang hernach
Die Steppen überrollte.

Gut fünfzig Tage rang man wild,
Dann plötzlich ward es Schweigen.
Um einen Andelorn'schen Schild
Stand still der Kämpen Reigen.

Darauf gelegt, in graues Tuch,
Lag Valeron, der Kühne.
Beendet ward der Fehde Fluch
Durch ehrenvolle Sühne.


Epilog

Lord Valeron, der raue Held,
Wird vielen Herzen fehlen.
Er ist genommen dieser Welt,
Doch niemals uns'ren Seelen.

Erinnert Euch, für alle Zeit,
An Athos' Zier auf Erden,
Dann wird der Born der Tapferkeit,
Unsterblich durch Euch werden...


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VOM TOD DES MORLOK
Der Heerzug nach Hovecan und des Dantes Wandel

Die Kinder saßen um den alten Mann am Feuer und hörten ihm genau zu. Greis schien der Alte und recht lächerlich hatte er auf seinem Esel ausgesehen, die älteren Kinder hatten ihre Späße mit ihm gemacht. Doch als er am Feuer schließlich in kalter dunkler Nacht von längst vergangen Zeiten zu erzählen begann, war es als ob jene Zeiten wiedererstünden. Schließlich saß das halbe Dorf in des Alten Hörweite und lauschte seiner brüchigen Stimme.

Alle Jahrtausende hat es sich immer wieder ereignet, daß der Demiurgon, der Weltenschöpfer auf Rorqual wiedergeboren würde. Beim letzten Male geschah dies, als Ilian, die Herrin der Leere, den sterblichen Prinzen namens Te-Darion benutzte, ihr ein Kind zu geben. Dies geschah zu Roptille und im sterblichen Leibe der Shannera Rongvild sollte das Kinde ausgetragen sein.

Nicht lang darauf ereignete es sich zu Panyu, daß Shannera, die Schandbefleckte entführt wurde durch Dante, den Herren des Chaos. Ja, ich erinnere mich genau, in Panyu war es, wo der Muttermörder das Siegel zwischen den Welten brechen und die sterbliche Mutter des Prophezeiten gen Hovecan entführen sollte. Wo Jawas Macht bald darauf ausreichte, sie aus des Chaos Faust in die alte Feste des Mordos' entfliehen zu lassen, doch für mehr nicht. Bald danach kam es, daß die Götter des Pantheon ein jeder für sich beschlossen, daß das Chaos jenes Kind niemals sein eigen nennen dürfe. Besonders aber die im Kinde ruhend Macht des Schöpfers dürfte niemals zur Macht des Chaos werden oder die Götter selbst würden vergehen müssen.

Die Götter des Pantheons riefen sodenn ihre sterblichen Helden und viele solcher brachen auf nach Hovecan, um Shannera Rongvild zu retten oder zu vernichten. Gar große Schlachten ereigneten sich auf der alten Welt der Drachen, weiland der Morlok in der Feste des Mordos' geboren ward. Mond um Mond verging und das geborene junge Kind wurde, während tausende Sterbliche starben, um jene Feste zu erreichen, in der es sich aufhielt.

Bis das geschah, womit niemand gerechnet hatte. Dante, der Gott des Chaos, verfügte zu jener Zeit über eine gewaltig Macht, welche ihn zu Rorqual fast unangreifbar zu machen schien. Trotzdem beschloß er persönlich nach Hovecan zu gehen, um des jungen Morlok Macht für sich allein zu erbeuten und damit den Lauf der Welt zu ändern. Es sollte sein größter Triumph werden.

Der Gott des Chaos wie auch sein Avatar Dartayeon, der Bannerträger des Chaos, erschienen denn auf Hovecan und vollbrachten so ein Unterfangen, welches den Göttern des Pantheon zu jener Zeit unmöglich war. In schierer Panik, schierer Not entschlossen sich da zwei der Götter des Pantheons vom Kampfe um die Macht des Morlok abzulassen und ihren eigen Weg zu erwählen. Atara, die Gnädige wie auch Demnogonis der Verderbte begannen Sterblichen ihrer Wahl Einflüsterungen zu geben, zu tun, was ihnen selbst verwehrt war. Sie gaben den Sterblichen vom Shogunate Yakuzama und aus den vereinigten Häusern von Lilienroth göttlich Wissen, sprachen zu ihnen vom Plan, den Morlok sofort zu erwecken. Obgleich es eigentlich zu früh gewesen und obwohl dessen Macht dann unkontrollierbar durch die Elf werden würde.

So kams, daß ein blutjunger, viel zu junger Morlok, den eigentlich keiner erwünschte, erweckt wurde. Ein Morlok, der Licht und Dunkelheit gleichermaßen umschloß und der über unkontrollierbar große Macht verfügte. Ihr, meine Zuhörer wißt, was weiter geschah: der Morlok vernichtete den Gott des Chaos und warf ihn gen Nichtwelt, so kündet es die Legende. Doch die Wahrheit war, daß des Morloks schöpferische Macht sich fast vollkommen ergossen hatte in das Innere des Muttermörders. Die Macht Neras, die Macht des Morlok und des Dante ureigen Wesenheit vermischten sich untrennbar.

Dem Muttermörder war geschehen, was er zuvor Äonen anderen angetan: Gewandelt war er. Hinfortgeschleudert war er worden, wie auch seine Schergen erfüllt von der verändernden Kraft des Demiurgon. Auf Hovecan blieb zurück nur des Morlok sterblich Hülle. Beseelt von einem schwachen Funken sterblichen Lebens, gerüstet mit dem Stabe des Gesetzes zog er aus, die Quelle aller Magie zu suchen, ohne zu ahnen, wie nahe er dieser Quelle in Wahrheit war.

Der alte Mann trank hastig vom Mete und seine rauh geworden Stimme erhob sich erneut, als er sich aufrichtete und weitererzählte.

Viele Jahre später erst, auf Epala, sollte sich das Schicksal der sterblichen Hülle des Morlok vollenden.

Während sich des Muttermörders Macht zunächst langsam, dann aber zunehmend schneller wandelte, verfiel der sterblich Leib des Morlok rasch. Der Pantheon hatte sich abgewandt von ihm und achtete seiner nicht, wartete hingegen kampflustig wie auch nervös auf die Rückkehr eines schlimmeren oder besseren Dante.

So kam es, daß verlassen, einsam und eines großen Teiles seiner Persönlichkeit beraubt, des Morlok sterblich Leib langsam aber sicher von völligem Wahnsinn übermannt wurde.

Nur die Eisige, Lithe, hatte schon seit Jahren erkannt, was in all der Zeit des sterblichen Leibes des Morlok Geheimnis gewesen war. Am Orte, wo des Morlok sterblich Leibes Macht freiwillig der Erde gegeben werden würde, würde die Quelle aller Magie neu entstehen. Da befahl Lithe, welche neben Athos die listigste und mächtigste der Jüngeren Gottheiten war, ihren Kindern zu Epala den sterblichen Leib des Morlok zu töten. Denn sie hatte nicht vergessen, daß sie und wie sie vom Throne der Ewigen gestürzt worden war...

Zweifelnd, unsicher, dann aber doch voller Entschlossenheit einem direkten Befehle Lithes nicht den Gehorsam zu weigern, erhob sich das sterbliche Epala wider den Leib des Morlok. So ging der Lithe Plan auf, denn ein einziger Blitz aus dem Gesetzesstabe dessen vernichtete sie alle, ohne das es auch nur eine Chance zum Siege für die Sterblichen gegeben hätte. Zum Kampfe gezwungen aber war des Morlok Geist plötzlich erneut rein und klar wie nie zuvor, aller Wahnsinn war gewichen. Sein Körper hingegen brach nach dem Kampfe zusammen, denn der schwache Leib konnte die selbst Gottesmacht brechend, sengende Macht des Gesetzesstabes nicht ertragen.

"Ich wünschte dies nicht. Wie kann ich den Tod wieder von ihnen nehmen?" fragte er mit brechend Stimme die Ewige, welche neben dem gestürzten und sterbend Leib des Schöpfers kniete und mitfühlend dessen Hand hielt.

"Du erinnerst Dich vielleicht nicht, doch ich tue es, oh Morhlokëion. Ich bin Deine Tochter und ich werde Dir Treue beweisen. Möglich ist, daß es Lithe tötet, Deiner Macht zu vertrauen. Möglich ist auch, daß es Lithe jenen Platz im Götterhimmel zurückgibt, welcher ihr gebührt. Sende mit Deiner letzten Kraft Deine Macht wie auch die Deines Stabes in das Erdenreich unter Dir."

So geschah es und so kam es, daß zu Epala eingeleitet wurde eine neue Epoche der Welt der roten Wasser. Des Morlok Leben und Macht ergoß sich in das Erdenreich Epalas und brach die Barriere gen Nichtwelt. Dante oder welche Kreatur aus ihm geworden sein mochte raste hinaus und erschien auf Epala. Beinahe beiläufig fast wurde jenen Getreuen Lithes das Leben zurückgegeben, welche zuvor gefallen waren im Bestreben, den Morlok zur Besinnung zu bringen.

Viele Stunden waren vergangen und nicht alle waren bis zum Ende der seltsamen Geschichte geblieben.
Die nasse Schnauze seines Esels im Nacken fühlend, erinnerte sich der alte Mann, daß es allerhöchste Zeit war, weiterzureisen.

Zuul Maximus

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ZIONS BRAND
Der Atara Abkehr vom Lichte

Im Jahre 1013 nach Imperials Fall aber geschah es, dass sich Schatten über die Mauern Zions legten, jener Stadt, die Atara so heilig. Die erste der ewigen Städte sollte sie sein, die zurückkehrten aus der Vergessenen Welt, wohin der Ratsschluß der Götter sie verbannt hatte nach sterblich Frevel. In Alt-Zion jedoch verblieb jenes Horn der Welten, welches Thorin der Ältere verlor wider Malech, versteckt geglaubt vor den Augen der Welt. Ilian wusste darum und wob Intrigen, jenes Artefakt zu erlangen aus den tiefen Gewölben der Stadt. Ablenkend den Gott des Krieges, Athos, durch ihres Sohnes Farlokuur und ihrer Dienerin Shannera Schattenklaue Taten und Worte, bereitete sie den Boden, eine finstere Streitmacht des Jawas wider Alt-Zion marschieren zu lassen. Die Schatten spieen Legionen der Finsternis, angetreten, im schnellen Streiche Erfolg zu haben. Ihnen schlossen sich sodenn auch die vereinigten Heere der finsteren Götter an, ebenso wie Farlokuur und Shannera Schattenklaue höchstselbst. So entbrandte neuerlich Krieg um Zion.

In der Stunde größter Not trat Eolil, Ataras eigen Sohn hervor, und zwang, nachdem er aus dem neugeschmiedeten Ylmanech, dem Sanaîterkelche, getrunken hatte, Kadir, des Jawas mächtigen Heerführer, zum Duell nach Nichtwelt. Drei Monde rangen sie, bis Eolil des Verheerers Hand niederwarf. Da aber zeigte sich die Perfidie des blinden Betrügers, denn ohne die Gabe der Unsterblichkeit hatte er Kadir entsandt, zu entblößen die Stadt von ihrem tapfersten Helden. Gefehlt hatte Kadir in vergangener Zeit und Fehl hatte zu keiner Zeit in des Verheerers Reihen einen Platz. Und so empfing Nacuatec, der Quell des Blutes, die Gabe der Unsterblichkeit und wurde an Kadirs statt zur rechten Hand des Jawas.

Wie geplant abgelenkt durch den von Ilian in finsterer Durchtriebenheit geschürten Konfikt zwischen Valeron und Farlokuur, erfuhr Athos zu spät vom wahren Ziel hinter dem erneuten Sturm der Finsternis gegen die Mauern Zions. So war es dem Gott des Krieges nicht mehr möglich der Herrin der Nacht den Griff nach dem Horn der Welten zu verwehren, als sein Blick letztlich doch noch von den Landen der Omnia Nihila fort gen Zions Schlachtfelder wechselte.

Zion aber brannte, denn des Lichtes Heer war, obwohl es nicht an Glauben mangelte, zu gering, die Hilfe in dieser schweren Stunde nicht ausreichend. So gelangte das Horn der Welten in die Hände der Herrin der Nacht Ilian und ihre Intrige hatte Erfolg. Atara aber ward nur wenig geschwächt durch den Vorstoß, denn nicht ins Mark ihrer Macht drang jener Schlag der vereinten Finsternis zu dieser Stunde. Da jedoch materialisierte Cogline von Zor auf der Strasse Alt-Zions, in seiner Begleitung einige Magier von Tralups Scharen. Er blickte sich um. Tausende von Dämonen, Teufeln, Untoten und andere Monströsitäten hatten die Handvoll Zauberer entdeckt und krochen langsam näher, im düstren Hintergrund sie übertürmend riesige Trolle und gar von teuflischer Glut umtoste Balrogs.

Kurz umspielte ein bösartiges Lächeln die Mundwinkel des alten Weisen, als er des uralten Fluches in sich gedachte. Er würde ihn der Dunkelheit zu schmecken geben, die ihn gewirkt hatte. Mochte sie selbst fühlen, welch Macht des Dämonenkönigs Fluch hatte. Doch das gierige, todversprechende Vordringen der Kreaturen der Finsternis in ihre Richtung endete plötzlich. Scharen an Unaussprechlichkeiten verharrten, fast als wenn sie furchtsam herüberwitterten zu ihnen. Nein, zu ihm, Cogline.

Nicht nur das, plötzlich begannen sie zu flüchten in Scharen und strömten in Horden in sich öffnende, fasrige Risse in der Nacht, Risse zwischen den Dimensionen. Mochte es die Todesgefahr oder die Gegenwart der uralten Heiligkeit Zions sein: kurz nur währte der Augenblick, da Cogline wispernde Stimmen aus jener fremdartigen Dimension hörte, welche die Avatare der Dunkelheit durchquerten, als sie Alt-Zion flohen. Ascalion, die Welt hinter den Welten, murmelte etwas in seinem Kopfe, die Welt, die man durchquert, doch nicht sieht, noch versteht.

Es hatte nur wenige Sekunden gedauert und Alt-Zions silberstrahlend Wege und Strassen waren wie leergefegt von schwarzer Brut. Fast, denn nur 50 Schritte ihnen gegenüber standen Shannera Schattenklaue und drei Vampire uralten Geblütes mitten auf der nun von Schatten umwaberten Strasse. Er erkannte sie sofort und lächelte erneut. Es war einerlei, wer es tat.....

Nur Sekunden später waren sie heran und Tralups Magier kämpfen wie nie zuvor in ihrem Leben. Allein, es war vergebens. Die junge Frau halbdaimonidischen Geblütes war flink herangenaht mit einer Axt in der einen und einem bösartig anmutenden Opferdolche mit gewellter Klinge in der anderen. Cogline sah ein letztes Mal hinauf, sah die endlosen Sterne, in deren Leere er nicht schweben wollte. Als sich der Opferdolch in sein Herz bohrte, setzte sein Denken aus.

Schiere Dunkelheit brach wie ein schwarzer Strom aus dem zerberstend Leib des Zori hervor und überflutete die überraschte Shannera. Es drohte gleichsam, ihr das Fleisch vom Antlitz und vom Leibe zu reissen, als ein schimmernd Schatten sich aus ihrem Leibe löste und wie ein Schild die furchtbare Macht des Fluches von ihrer beider Leib abhielt. Gwaynir Centauri, Prinz Ilians, Schattenfürst und einziger seiner Art, absorbierte genug von der Shannera nur am Rande treffend Macht des Höllenfluches, dass sie überleben würde. Doch des Gwaynir Centauri Aura war nicht mehr schwarz, als er zurückwich und in der Shannera Leib erneut Zuflucht suchte. Vollkommen durchpestet vom Feuer der Hölle, wich seine Aura schwefelglutgelb zurück in den bewusstlos Leib der jungen Frau.

Dunkelheit hatte das Land um Alt-Zion nun überspült wie eine dunkle Flut, denn die Hölle hatte sich aufgetan und Rorqual erbebte. Weise, Visionäre und Propheten zu Rorqual teilten ein einzig Schicksal: überschäumend Wahnsinn. Wahnsinn der ausbrach, in jenem Augenblicke, da der Shannera Dolch sich in das Herz des Weisen namens Cogline senkte. Finsterste Macht erschütterte das Weltengefüge in unwirschem Grollen, als der mächtige Fluch, mit welchem Cogline schwanger ging, sich in den Boden des heiligen Zion grub. Und so ward mit Bösem erfüllt, was immer Rein gewesen war. Die Welt erzitterte, als der Lebensgöttin Fluch brach, welcher Äonen wirksam gewesen und Urböses in den Tiefen der Unterwelt eingesperrt hatte. Demnogonis wandelte wieder und zu Alt-Zion hatte er den Grund Rorquals betreten. Die Stadt jedoch brannte und die Aura des Höllenkönigs umfing sie in finsterstem Fluche. Geöffnet waren die Schlünde des Abgrundes und errichtet auf den Aschemauern Zions Gehenna, die ewige Stadt des Herrn der Verderbnis.

Ataras Herz aber verkrampfte sich durch diese erzfinstere Wunde, denn all ihre Hoffnung und Kraft ruhten in Zion. Und so lag sie darnieder düstere Monde, rang mit dem Gifte erlittenen Makels. Als ihr Leib allmählich wieder gestärkt, erfüllte nunmehr das Feuer der Rache ihren Geist und in ihrem Grimm und Zorn sprach sie den Schwur, alle Pein und Not zu vergelten und sie brach mit dem Licht und der Ordnung. Untertan wurden ihr seit diesem Tage die roten Drachen und von nun an ward sie nur noch Atara, die Göttin der Rache und Herrin des wutbrennend Feuers genannt.

Beruhend auf Aufzeichnungen des Ofor, eternern Sklave Torgons.

Aus den Annalen des Naer Hethirus,
Primas im Orakel des Nebels zu Ashakyan


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DIE RÖSSER DER APOKALYPSE
Sturmrabe und Sonnenwind

Am Anfang war das Wort, so sagt man. Doch das ist unwahr. Vor jedem Wort steht der Gedanke, den es, einem grobgeschlachten Schatten gleich, nachzuformen versucht. Und wenn ein Wort nicht ausreicht, den Gedanken zu beschreiben, dann werden derer viele, dann scharen sie sich zu Geschichten. Die größten und ältesten Gedanken aber, so grundlegend wie die Welt selbst, die erwirkten Worte, welche nicht minder bestimmend werden sollten für die Welten. Es waren derer Dreie und man nannte sie die Drei Großen Prophezeiungen. Jede für sich war so gewaltig, so erfüllt von einer Spielart der Existenz, daß sie mehr waren als nur Worte. Sie waren wie gesponnener Wille. Sie waren Zauber, ringend miteinander um die Gestalt der Welt.

Dieses Ringen jedoch, der Kampf der zu fechten war um das Schicksal der Welt, er beinhaltete Personen - Prophezeite, könnte man sagen - die die Alten Worte mit Sinn und Leben füllten. Im letzten Gefecht aus Licht und Dunkel würden sie gerufen werden, als Symbole und als Foki, die unvereinbaren Mächte gegeneinander zu treiben. Zwei Auserwählte würden es sein, einer herabsteigend von den Toren des Elysiums, einer sich hinaufstemmend aus dem Schlünden der Höllen. Das letzte Zeichen ihrer Marschallsschaft zum Jüngsten der Gerichte würden zwei Rösser sein, unsterblich, geboren nur für diesen einen Zweck. Ihre Namen waren Sturmrabe und Sonnenwind, Könige unter den Pferden und zugleich ungleiche Geschwister. Zueigen ist beiden Rössern der Apokalypse, ihre Besitzer zu überleben, bis der Jüngste Tag nahe. So hört denn ihre Geschichte, aufgeschrieben in den nebelverborgenen Scriptorien des Orakels von Ashakyan, denn ihr Schicksal mag auch mit dem Euren verknüpft sein.

...Lange Zeit bevor die Chaosmutter ihren Sohn Dantur erschuf, geschah es, daß die drei Alten die Jüngeren Götter zu sich riefen, um gemeinsam zu beratschlagen. Denn jeder der Jüngeren hatte die Schöpfung der Älteren geschaut und bewundert und jeder wünschte einen Teil zu seinem Eigen. Schon wurde laut gesprochen und gescholten als der Dunkle Alte sich erhob und das Wort an sich nahm. Darob er aber reden wollte, bahnte sich Zauberwerk von machtvoller Art seinen Weg, unbemerkt und ungewollt. Niemand vermochte zu erkennen, woher es kam, groß und gewaltig in seiner Kraft, prägend das Schicksal in seiner Gesamtheit, wahrgedeutet und mißverstanden. Aber immer erst erkannt, wenn seiner Worte Wahrhaftigkeit zuteil wurden.

Und aus Zathuurs Mund erklang wie vom Urgrunde der Zeit die erste der Prophezeiungen: "...in den Tagen der letztigen Schlacht jedoch solle ein Heerführer der finsteren Götter hervortreten und das schmerzliche Joch der Herrschaft über die anderen werfen. Seine Feinde sollen ihn fürchten und erzittern, denn er wird sie zu Staube zertreten. Gebieten wird er über Sturmrabe, seines Willens Werkzeug. Und er wird einläuten des Lichtes Untergang..." Schweigen war im Kreis der Götter, eingedenk der Schwere der offenbarten Prophezeiung, denn noch war kein Streit zwischen ihnen. Jeder aber nahm die Ernsthaftigkeit des Wortorakels wahr, und Zathuur sprach: "..Ich bin die erste Prophezeiung, der Sieg der Finsternis..." Als die finsteren Götter dies hörten, frohlockten sie, und zogen aus, durch alle Zeiten und Orte zu suchen jenen Einen, welcher einst ihr Heerführer sein sollte.

L'Arin aber vernahm aus eigenem Munde die zweite der Prophezeiungen: "...Wenn sich die Tage dem Ende neigen, wird einer erscheinen, ein Hochkönig oder Königin des Lichtes. Einigen wird er all die Völker des Himmels mit seiner eigenen Kraft. Und triumphieren über der Finsternis verdorbene Scharen. Bedienen aber wird er sich der Macht des Sonnenwind. Und letztlich wird die Dunkelheit vergehen im strahlenden Lichte, denn ich bin die zweite Prophezeiung, der Sieg des Lichtes..." Die Götter des Lichts vernahmen dies und jubelten, und sie zogen aus in alle Lande, jenen Würdigen zu finden, von dem die Zauberworte sprachen.

Nera aber wartete, bis sie allein ward und flüsterte die Worte der dritten der Prophezeiungen, doch keines anderen Ohr vernahm ihre machtvolle Stimme. So waren die Großen Prophezeiungen gesprochen und doch nicht erfüllt, bis die Zeit ihren Wert unter Beweis stellten. Zathuur und L'Arin jedoch erforschten ein jeder für sich die Schöpfung vergebens nach den Dingen, welche Sturmrabe und Sonnenwind geheißen. Nirgends fanden sich jene Mächte, welche die Prophezeiungen nannten.

Endlich gelangten sie an einen Ort, welchen sie zuvor noch ungeschaut. Rollende Ebenen und weite, einsame Hochländer erblickten ihre Augen. Doch war er grau und ungeprägt, wie der ungeordnete Beginn der Schöpfung und so war er seit seinem Bestehen dem Untergang geweiht. Als sie aber dort aufeinander trafen, da ward Streit und im Ringen der Beiden verging dieses Land. Ein Wesen jedoch, eines von unzähligen vielen, aber edel wie ein König, überlebte ihren Kampf. Verwundert schauten sie hernieder, von welcher Art dieses wohl sei. Stolz hob es den Blick zu den beiden Alten, keine Furcht war in ihm. Vierbeinig wie ein Tier, doch wache Augen von Verstand erblickten sie. Und eine Mähne von Gold, bis hinab zum Boden, zierte es, während die Läufe stark und kräftig waren. Das samtene Fell aber ward gescheckt von besonderer Art, schimmernd wie der Glanz von Muschelschalen, schwarz und weiß zugleich. Die Blesse war aus reiner Magie, gewunden und gestreckt zugleich, hervortretend wie ein Horn und ebenso gülden wie der Schweif und die Mähne.

Doch war es wund vom Streite der beiden Alten und sie beschlossen, jenes Wesen ob seines Mutes zu erretten, welches Los sich immer daraus auch ergebe. Sie brachten es nach Rorqual ins Zentrum aller Magie. Dort suchten sie nach einem Meister der Heilkunst und entdeckten ihn schließlich in einer jungen Stadt der Sterblichen. Elea aus dem Königshause derer zu Thorgardh, war berühmt für ihr Wissen um vielerlei Heilung und so vertrauten sie das Wesen ihr an, damit sie sich um es sorge. Die jugendliche Elbin pflegte es und gab ihm den Namen Falbmähne, doch jede Kunst war vergebens. Die Wunde schloß sich nicht, und Monate vergeblicher Hoffnung zogen ins Land.

So verabschiedete sich Elea von ihrem Volk und brach auf, gemeinsam mit Falbmähne die Quelle der Magie zu suchen, denn hier erhoffte sie sich endlich Heilung für das Ross. Lang war die Suche und vermag sicherlich etliche Schriften zu füllen, doch am Ende gelangten beide wohlbehalten an ihr Ziel. An der Quelle aller Magie labte sich Falbmähne, und gebar zwei Füllen, eines schwarz und eines weiß. Und die glückliche Elbin nannte das schwarze Sturmrabe und das weiße Sonnenwind.

Alle getrunkene Kraft der Quelle aber ging auf die beiden Füllen über und als es erkannte, daß es Kinder hatte und sein Geschlecht leben würde, verging es in Frieden und dankte Elea für die Tat. Lange Zeit trauerte Elea um Falbmähne, und keinen Trost sah sie in der Welt. Da bemerkte Rea, die Mutter allen Lebens, sie und sie sprach ihr in der kühlen Dämmerung des Abends Worte des Trostes. Ihre Tränen trocknend gab sie Elea wieder Hoffnung und Zuversicht und geleitete sie zurück in ihr Heim nach Thorgardh. Die beiden Füllen aber brachte sie vor die beiden Alten.

Als Zathuur und L'Arin hörten was geschah, erkannten sie den Sinn der Prophezeiung. Ein jeder nahm das ihnen prophezeite Ross mit sich, um es aufzuziehen und es mit Kraft zu stärken für seine Aufgabe. In Gedenken an die tote Stute Falbmähne jedoch erfüllte sie großer Willen und sie schufen die Pferde Rorquals, mal weiß wie Schimmel, mal schwarz wie Nachtmahre. Und sie gaben ihnen die saftigen Weiden des Landes zur Heimstatt. Die beiden Rösser der Apokalypse, Sturmrabe und Sonnenwind, jedoch wurden aufgenommen unter den Göttern, behütet wie eigen Kinder.

Als dies alles vollbracht ward, endete das Äon der Jüngeren Götter und Zathuur und L'Arin verließen Rorqual, um sich die Welt Shirasei zu ersinnen, denn noch nicht ausgefochten war ihr Zwist. Sie ahnten nicht die Gefahr, welche sich anbahnte für die Welt der roten Wasser, denn Nera sollte bald die Quelle der Magie schänden und deren Macht nutzen, sich ihren Sohn Dantur zu erschaffen. Und obwohl Nera mit dieser Tat ihren Mörder erschuf, war keine Prophezeiung mächtiger in der Zeit, da Dante vom Blute der eigenen Mutter getrunken hatte, denn die dritte. Als aber die Jüngeren Götter sahen, welch Greuel und Zerstörung ein Unsterblicher anzurichten vermochte, und sie Nera erschlagen sahen, Berge sich auftürmen und Kontinente in den nachfließenden Fluten zerbrachen durch ihren Fall, da traten sie zusammen.

Sie betteten Neras Leib unter neun Siegeln, verschlossen für die Ewigkeit auf der östlichsten der drei Schollen des zerbrochenen Gnor, damit nicht Unrast und Weltenzorn sie packe. Und ein Rat ward gebildet, der Rat der Götter, und beschlossen ein Friede, damit ihrer aller Hände Schöpfung nicht weiterhin leide unter der Gewalt ihrer Einmischung. Gar die beiden Alten erschienen aus Shirasei, aber Dantur, der Muttermörder blieb dem Rate fern. Und die Götter bestallten würdige und mächtige Heerführer und Ratgeber zu ihren Avataren, ihre Streitigkeiten zu schlichten. Rea aber erinnerte sich der Tat Eleas, und sie trat nach Thorgardh und ernannte den Ort zu ihrem Heiligtum. Elea jedoch, die Tochter der Erde Thorgardhs, rief sie zu sich an ihre Seite, einer Tochter gleich.

Als es aber Zeit ward, da entsann sich der Rat der Götter der großen Prophezeiungen, und sie erkannten, daß der Friede nicht ewig währen würde. Niemand aber wußte zu sagen, wann die Prophezeiungen sich erfüllen würden, und so beschlossen sie, die beiden Rösser Sturmrabe und Sonnenwind über alle Zeitalter hinweg immer wieder einmal in die Hände der Sterblichen zu geben, auf daß sich die Würdigen erweisen mögen, wenn die Zeit komme. Über die Bedeutung der Rösser aber legten sie einen Schleier, bisweilen in Orakelsprüchen verhehlt, bisweilen gar gänzlich verschwiegen. Und so wanderten sie durch die Hände vieler Herren, angezogen allein von den Fäden, welche das Schicksal webt, doch nie erwies sich einer den Prophezeiungen als würdig.

Wo der finstere Mordos versuchte, das Land der Drachen zu unterwerfen, ward Sturmrabe seine Habe. Wo die ungleichen Kriegsfürsten der Phriloks miteinander um die Heiligkeit Sanaas rangen, Kadir über Menoc triumphierte, waren Sturmrabe und Sonnenwind die Begleiter. Wo die Lichtkaiser Kantharas wider die Neungehörnten Moguln des Dämonenreiches Veretigra ausbluteten, wurde Sturmrabe in die Schlacht geführt. Wo der letzte der großen Hochinquisitoren des L'Arin, Kelim Wahrfinder, sein Leben in die Waagschale der Schlacht wider des Malech Heer warf und dennoch nicht hindern konnte, daß Imperial mit ihm versank, ward er getragen von Sonnenwind. Zu keiner Zeit aber ward einer erwählt von den Prophezeiungen, eines der Rösser der Apokalypse zu erwecken, und ungewogen bleibt daher ihr Wert durch alle Äonen...

Im Jahre 1014 nach der Vernichtung Imperials aber geschah es, daß ein Sterblicher namens Kedmin Ra, der Fürst der Stürme und Meister des hovecanschen Drachenschildes Chrestoyal, die Macht des unsterblichen schwarzes Rosses Sturmrabe entfesselte. Wer mag beurteilen ob Verzweiflung der Ratgeber Kedmin Ras war, als er Mächte anrief, welche Ihn, der zum Kampf gegen das in Finsternis wiedererstandene Imperium Malechs angetreten war, zum Heerführer der Finsternis bestallten. Die dunkle Macht des schwarzen Rosses steht einem finsteren Heerführer zu gebote und nicht einmal die Weisesten vermögen zu erkennen, ob nun die Zeit der Apokalypse anzubrechen beginnt.

Aus den Annalen des Naer Hethirus,
Primas im Orakel des Nebels zu Ashakyan


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Siehe, der Sterblichen größte Schwäche ist das Vergessen, die schwärende Ignoranz dessen, was geschehen ist und wieder geschehen mag. Denn jener, welcher nicht aus der Geschichte zu lernen versteht, ist dazu verflucht, sie zu wiederholen. So war es und so wird es immer sein. Wem die Lehre, die aus dem grausigen Tode Coglines und der dadurch ermöglichten Schändung Zions herrührt, nicht einleuchtet, der erinnere sich des nun folgenden Schicksals. In beiden liegt die selbe Erkenntnis verborgen: Finsteres labt sich an Finsterem. Böses wird Böses niemals tilgen.

DIE LEGENDE VON KEDMIN DRACHENSCHINDER

In den ungestümen Jahren, da die Alten nach Rorqual zurückgekehrt waren und Lejla beliebte, Imperial erneut aus den roten Fluten zu erheben, da bewandelte ein Sterblicher des mythagesischen Hauses Arcanit die Welt, ein Drakon, der den Namen Kedmin Ra trug. Er war ein Mann von großem Eifer und beachtlichem Mut, ein Diener der Drachenmutter, der den Weg des Fanatismus gewählt hatte, um seinen Glauben zu erweisen. "Lejla treu, bis über den Tod hinaus!" erscholl sein Leitspruch auf vielen Schlachtfeldern und wenig kannte er, dass ihn schreckte. So kam es, dass sein Pfad allzeit eine Wanderung am Grate zwischen Hingabe und Hass darstellte, ein gefahrvolles Spiel zwischen Licht und Dunkel. Der Ehrgeiz trieb ihn, Macht für seine Ziele zu ergreifen. Die Furchtlosigkeit liess ihn Grenze um Grenze suchen.

Ob Meuchelmord oder offene Schlacht, es war ihm gleich, wenn es nur ihm und seiner Herrin zu nutzen schien. Schimpf hatte er dafür erhalten, Belehrungen auch. Gefährten hatten sich abgewandt oder weigerten sich seinen Pfad offen zu unterstützen. Alte und neue Feinde trachteten danach, sich jedwedes Straucheln zunutze zu machen. Doch er gab nicht auf. Wo andere innegehalten hätten oder verzweifelt wären, da härtete er seine Seele ab, kämpfte sich durch Bitternis und Groll weiter voran. Und je mehr er Seinesgleichen abschreckte, umso schütterer der Kreis seiner Befürworter wurde, desto fester ballte sich sein Willen um den Kern seines kriegerischen Stolzes. Er hungerte nach Wegen, die Ketten der Erniedrigung zu sprengen und grausame Vergeltung an Peinigern und Spöttern zu verüben. Jedes übel, das ihm angetan wurde, liessen Verachtung und Zorn innerlich wuchern, und alles Gute, das ihm trotzallem zufiel, zerstreute nur seine Zweifel, den Pfad der unbedingten Härte nicht unerbittlich fortzuführen.

Vieles trug sich zu, Streitigkeiten zwischen der Drachenmutter und dem Dunklen Alten, Zwist auf Mythagon im Kleinen wie im Grossen. Und stets versuchte Kedmin Ra, den Anliegen Lejlas seine Stimme und sein Schwert zu entleihen. Das Wechselspiel zwischen Lord Traxxar, dem Verräter an Lejla, der Rasse der Drakons und letztlich auch an der Finsternis selbst, und dem Haus Arcanit wäre eine eigene Legende wert. Quintessenz ist jedoch, dass Kedmin Ra, als die Sturmherrin schliesslich ihren Wunsch verkündete, auf einem von tosenden Wassermassen umgebenen Eilande im Meer zwischen Imperial und Mythagon um des legendären Drachenschildes Chrestoyal willen angerufen zu werden, nicht lange zögerte. Er wusste, dass es Krieg mit dem Schwarzen Reich zu Imperial bedeutete, sich mit Gewalt Zutritt zu deren kolonialer Besitzung zu verschaffen, doch auch die Drohung imperialer Rache schreckte ihn nicht. Nie liess er einen Zweifel daran, dem Ruf Lejlas zur Insel der Verlorenen Folge zu leisten und sei es um den Preis seine Heimat brennen zu sehen. Seine Soldaten wurden ausgesandt, den Zutritt auf die Insel der Verlorenen zu erzwingen, während sein entblösstes Heimatland fiel. Das Eiland wurde genommen und Kedmin Ra rief an der Seite der Gesandten der Drachenvölker Lejla an.

Der Kreis der Ereignisse um Imperial, der durch das Schwarze Reich in Finsternis gefallenen Ewigen Stadt Lejlas, begann sich am Ende zu schliessen. Johannes und Tharoman hatten die Wagemutigen, welche im Vorhof des Elysiums das Schwert L'Arins Donner für das Licht wiedererringen konnten, durch Feuermagie gen Imperial gerettet. Ein Feldzug wie zum jüngsten Gerichte, um Alles oder Nichts, ward ausgerufen und die halbe Welt marschierte - Götter, Avatare und Sterbliche. Kedmin Ra derweil, welcher seine Befähigung zum Kampfe erwiesen hatte, ward - nach der Drachengöttin Wahl - der Drachenschild gereicht, in diesem Kriege als ihr Sturmesfürst zu dienen. Und wie er nun endlich seinem übermächtigen Gegner, den Gefolgsleuten des Malechsthrons gegenübertrat, dies gar im offenbarten Willen seiner Göttin, da brachen in ihm die letzten Siegel. Während die Sterblichen und Unsterblichen um ihn herum Scharmützel des Stahles und der Seelen auszutragen begannen, sank Kedmin Ra in die tosende Stille seiner inneren Welt, einsam wie ein Schiffbrüchiger in einer schwellenden See aus Wut und Zerstörung. Als ihm der Drachenschild Chrestoyal sowie das dunkle Ross Sturmrabe zu eigen gemacht waren, breiteten sich Erlösung und Verhängnis zu gleichen Teilen vor ihm aus. Und siehe, er handelte.

In der Stunde, da die Aussichten auf Erfolg am geringsten waren - lähmende Verzweiflung und stolzbrennender Todesmut rangen in den Herzen der Bestürmer Imperials miteinander -, entfesselte der neue Sturmesfürst den Zauber des Chrestoyals. Ehrfurchtgebietend wären alleine diese Kräfte gewesen; wenn auch nicht unfehlbarer Garant für einen Sieg, so doch würdig eines grossen Kampfes. Allein, er wollte den Sieg mehr als alles andere. Hass wider seine Feinde, die Lust am Zerstören und der ehrgeizige Wille zu beherrschen, er schrie sie hinaus in die schicksalhaft entfesselten Gottesmächte, forderte die Macht über die Drachen, lebende wie auch tote. Und siehe, Zathuur hörte es und die Düsternis in Kedmin Ras Rede, die Forderung nach Macht über den Tod gar, öffnete ihm die Tür. Er langte nach des Drakons Seele, das Finstere in ihm wie eine überreife Frucht zu ernten. Und wie der Dunkle Alte ihm die Seele entrissen hatte und in ihn gefahren war, ihm Macht über die Untoten Drachen gewährte und zum Heerführer der Finsternis erhob, da ward die Macht Sturmrabes entfesselt, des ewigen Rosses, das Kedmin Ra bestiegen hatte, um es für seine Sache in die Schlacht zu führen. Als Heerführer der Finsternis thronte Kedmin Ra von Stunde an über den Armeen von Freund und Feind. Die toten Drachen, die er zur Vernichtung Imperials zu rufen erhoffte, standen als beinerne Schemen an seiner Seite.

Der Drachenmutter Verlust erschien schier grenzenlos: Ihr Auserwählter war ins Dunkel gefallen, Chrestoyal und die Macht über die Drachen mit ihm entglitten. Enayak und die Güldenen, gekommen, sich dem Wüten der Schlacht zu stellen, standen bis auf ihre sterblichen Getreuen verlassen da. Selbst die Untoten Wyrme, schlummernd im verfluchten Boden seit der Vernichtung von Malechs erstem Reiche, waren entfesselt und das finstere Ross, als übelstes zuletzt, war angesport, den Sieg für die Mächte der Nacht einzufordern. Schlimm stand es, doch das Böse wäre nicht das Böse, wüsste es nicht um die Leidenschaft, selbst die tiefste Verzweiflung zu schwärzester Höllenpein zu steigern. Gwynion, der Verbannte, war es, der die ungehorsame Crai L'Arintöter vor den prachtvollen Mauern Grosz-Fionirs unterwarf, um die Standarte der Finsternis wie auch das Wohlwollen Zathuurs für sich selbst zurückzuerobern. Sein Tribut an seinen alten und neuen Meister war es, dem bereits gefallenen Kedmin Ra das Hochartefakt des Bösen zu reichen, auf dass er zuletzt gar das Spiel der Götter gewann.

Macht ballte sich sofortigst um Kedmin Ra, den Auserwählten der Immerwährenden Nacht, Macht in einer Fülle und Grausamkeit, wie er sie sich niemals auch nur im schrecklichsten Traume zu ersinnen getraut hätte, und das Mal der Unsterblichkeit erhob sein verfluchtes Fleisch in das Schicksal eines düsteren Halbgottes. Und wie dies geschehen war, da rannen elffache Urgewalten durch den Drachenschild in seiner Hand, vervielfachten seine Kraft weit über die Grenze jeden Widerstandes hinaus. Der Chrestoyal, einst geschaffen, die Drachen zu rufen und ihnen als Bannerschild in die Schlacht vorauszueilen, war, durch pures Höllengestürm entweiht und schauerlich verstärkt, zu einer Geissel geworden, die Drachen in vollkommene Knechtschaft zu pressen. Ein einziges Wort der Dominanz genügte, den Willen des Uralten Enayak und seiner Güldenen zu zertrümmern. Und so nannte man den Sturmesfürsten fortan, wie er es unwillentlich erwirkt hatte: Kedmin Drachenschinder.

Wie anders - so lehrt der zurückgekehrte Lorddämon Gwynion die Welt - kann man jemanden peinigen, der schon alles verloren hat, als dass man ihm etwas zerbrochen zurückgibt? Die Drachen werden erneut über Imperial kreisen, doch werden es die ätherschwingen Zathuurs sein, die ihnen Herr und Meister sind. Und wenn nun Kedmin Drachenschinder an der Spitze der fliegenden Armada als Triumphator und vielleicht als neuer Gottgesandter in Malechs Imperial einmarschiert, dann wird ein jeder für sich die Frage beantworten müssen, ob sein Leben vergeudet war oder nicht, ob er siegte oder verlor in einem Masse, wie sie sich niemand vorherzusehen getraut hatte.

Eines nur ist gewiss und soll Euch begleiten unter das Joch der Ewigen Nacht: Wenn sich dereinst in vielen Jahrhunderten jemand an diese Tage und die Namen jener Sterblichen zurückerinnert, die hier lebten, liebten und litten, dann wegen ihm, der vor den Schwarzen Toren Imperials seinem Schicksal begegnete und den Pfad des vollkommenen Hasses erwählte.

So spricht das Orakel der Nebel zu Ashakyan,
Und zieht sich für die kommenden Zeiten in Demut zurück


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